Fronleichnam 19.06.

Andreas Zerndl / Shutterstock.com
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Wenn ich von Pfingsten geschrieben habe (>> hier nachzulesen), dann komme ich nicht umhin auch über diesen christlichen Feiertag zu schreiben.

 

Wohlwahr gesagt werden muss, es handelt sich um ein katholisches Fest, welches erst im Mittelalter gefeiert wurde. Doch ist es Ausdruck der (zweifelhaften) Frömmigkeit jener Zeit, als dass der Papst es dazumals als Fest für die gesamte katholische Kirche eingeführt hat.

 

Im ländlichen Raum ist vor allem die Tradition der Prozession bekannt, weniger bekannt ist der Ursprung dessen: eine Vision einer jungen Nonne und das Zeichen des Vollmondes. Wer mich kennt weiß dass hier Faktoren der Aufmerksamkeit für mich wirken: eine Frau - der Vollmond.

So die Geschichte:

Im Alter von 16 Jahren hatte die junge Nonne Juliane von Lüttich vor dem Tabernakel kniend mehrere Visionen. Sie sah einen leuchtenden Vollmond, dem ein Stück fehlte. Der Überlieferung nach soll Christus selbst ihr dieses Bild erklärt haben. Der Mond sei das Kirchenjahr, dem noch ein besonderes Fest fehle, und zwar eines zu Ehren des heiligen Altarsakramentes, der Monstranz. Ihre Aufgabe sei es, dafür zu sorgen, dass ein solches Fest eingeführt würde.

Jahrelang schwieg Juliane über das, was sie erlebt hatte, und erst als sie 1230 zur Oberin gewählt wurde, berichtete sie von ihrem Auftrag. Der damalige Papst Urban, ebenfalls aus Lüttich, griff dies auf und fortan wurde Fronleichnam gefeiert.

Mit diesem Fest  feiert die Katholische Kirche die leibliche Gegenwart Jesu Christi in Hostie und Wein. Dies ist natürlich sinnbildlich zu verstehen. Ich selbst glaube natürlich nicht daran, dass "in der Hostie" sowie "im Wein" - Jesus Christi vorhanden ist.

 

Alte Tradition des Festes sind die Prozessionen durch die Ortschaften. Im ländlichen Bereich führten sie ursprünglich auch um die Felder um diese zu segnen. 

 

Die Prozession macht an vier Altären Halt, um alle Himmelsrichtungen abzuschreiten. Da es auch vier Evangelien gibt, wird an jedem Altar aus einem anderen Evangelium gelesen. Der Prozessionsweg wird durch Blumen und Bilder geschmückt, Mädchen streuen Blumen, die Monstranz wird unter einem Tuch getragen, das an vier Stöcken ausgespannt ist und "Himmel" genannt wird.


Für mich ist der Ausgangspunkt das letzte Abendmahl und darin auch das Symbol der Gemeinschaft - im damaligen Judentum, gehörte es dazu, dass zu Beginn einer Mahlzeit der Hausvater für alle Teilnehmer des Festmahls das Brot brach. Das sollte eine Zusammengehörigkeit ausdrücken und zeigen: Alle essen von einem Brot. Jesus selbst brach nach dieser Tradition das Brot beim letzten Abendmahl und auch später, als er als Auferstandener den Jüngern erschien.

 

So sehe ich Tage wie Fronleichnam als Erinnerung, dass das Göttliche unter uns ist und sich in allem Ausdruck was uns nährt. Dies "in allen Richtungen" des Himmels - Osten, Süden, Westen, Norden - was unser ganzes Leben umzeichnet. Alles was wir (er)leben ist würdig es zu segnen, in ihm das Göttliche zu erkennen. Und ich sehe auch das Fest, des Miteinanders, des Beisammenseins.

Wenn wir dieses achtsam leben, dann ehren wir auch das Göttliche. Spiritualität ist für mich nicht nur ausschließlich zelebriertes "religiöses Ritual" sondern viel viel mehr das gelebte Alltägliche, ausgedrückt im bewussten alltäglichen Leben und auf diese Art und Weise mit dem Göttlichen verbunden zu sein.

 

 

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Daniela Hutter schreibt, bloggt und hält Seminare zum Thema bewusste Lebensführung, es ist ihre Passion alte Tradition mit zeitgemässer Spiritualität zu verbinden. Als Autorin schreibt sie für verschiedene Zeitschriften. Aktuell arbeitet sie an ihrem nächsten Buch. Bereits erschienen sind die Bücher Lass deine Träume wahr werden (2013) und Den Tag mit Engeln beginnen (2008), sowie das Kartenset Energien der neuen Zeit (2013).

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