Weihnachten wie es früher war

Weihnachten ist nicht nur eine besondere Zeit für mich – alleine das Wort „Weihnachten“ fühlt sich einfach besonders an. Sein Klang wirkt magisch auf

mich: Mit diesem Klang macht sich ein Gefühl in mir breit, als ob sich eine Tür hinein in eine Schatzkammer der Erinnerungen öffnen würde, aus der innere Bilder auftauchen.

 

Die allgemeinen Erfahrungen meiner Kindheitstage waren ganz normal. Die Zeit mit der Familie wie es eben so üblich war, ohne viel Aufhebens. Doch Weihnachten war anders. Unsere Eltern nahmen sich Zeit füreinander und für uns, meinen kleinen Bruder und mich. Plötzlich stand die Familie im Mittelpunkt. Alles, was meine Eltern an diesem Tag unternahmen, konzentrierte sich auf ihre Kinder. Das kannte ich von der restlichen Zeit des Jahres kaum. Deshalb fühlen sich die Erinnerungen an Weihnachten wohl so ganz besonders an, als ob der

Tag mit ganz viel Liebe gefüllt worden wäre.

Und wenn ich mich so erinnere, auch mein Bruder und ich hatten uns wohl an diesem Tag ganz besonders lieb. Denn eigentlich waren wir zwei kleine Streithähne, tagein, tagaus. An Weihnachten war das anders, da waren wir uns einig, wir hatten uns lieb und waren eins – ein Herz und eine Seele. Auch sicherheitshalber, denn dass das Christkind streitenden Geschwistern Geschenke bringen würde, das bezweifelten wir. Deshalb haben wir eben sicherheitshalber noch eine Extraportion Geschwisterliebe lebendig demonstriert.

 

Schon frühmorgens war alles, was wir taten, darauf ausgerichtet, brav zu sein, denn schließlich wollten wir nicht im letzten Moment noch das Christkind verstimmen. Eifrig übten wir stets all das, was wir im Alltag verweigert hatten: Musikstücke auf der Blockflöte, Liedertexte, Gedichte und Fingerspiele zur

Weihnachtsgeschichte.

 

Ich tat mein Bestes, um mich an diesem Tag als große Schwester auszuzeichnen. Ich las meinem Bruder aus den Büchern vor, wir bauten ein Lego-Christkindl-

Haus und gemeinsam räumten wir noch unser Zimmer auf. Denn es hätte gut sein können, dass das Christkind vorab ein Engerl ausschickt, um zu erkunden, ob denn auch alles ordentlich hergerichtet wäre, bevor es dann selber mit Baum und

Geschenken kommen wollte. So zumindest hatte es stets unsere Mutter angedeutet.

 

Bekannterweise dauern die Stunden vor dem Heiligen Abend ja besonders lang, die Tagzeit erscheint unendlich, so zumindest war es die Wahrnehmung für uns Kinder. Da war das Fernsehprogramm eine besondere Freude: den ganzen Tages wurden

Kinderfilme gezeigt. Alleine das erschien uns schon ein Fest, zumal sich sonst das Kinderprogramm auf zweimal die Woche beschränkte. Aber an Weihnachten war alles anders, da gab es alle Lieblingssendungen, allen voran die tschechischen

Märchenfilme – und als Höhepunkt: „Drei Nüsse für Aschenbrödel.“

 

Ich vermute, mein Bruder mochte diese Filme eher nicht. Aber weil Weihnachten war, hatten wir uns lieb und er blieb mit mir treu vor dem Fernsehgerät sitzen. Bis dann unsere Mutter im Laufe des späteren Nachmittag stets meinte, dass sie das Christkind vor dem Fenster vorbeifliegen gesehen hätte und dass es wohl an der Zeit wäre, dass wir das Wohnzimmer räumen: „Denn vielleicht, ja vielleicht, kommt ja doch das Christkind noch vorbei.“


An keinem anderen Tag im Jahr war es uns solch ein Vergnügen, das Fernsehen zu beenden. Unser Vater, der während des Tages schon ein besonderes Festmenü für uns kochte, bekam dann seinen Auftrag: Er setzte uns Kinder ins Auto und fuhr mit uns übers Land spazieren. „Fahren und Lichter schauen“, nannten wir es. Damals war man ja noch nicht so viel unterwegs wie heute. Deshalb bedeutete allein das Autofahren schon etwas Besonderes, und dabei die Umgebung erkunden,

die Lichter sehen – es war einfach himmlisch.


 

 

 

 

 

 

 

(Artikel erschien im
Sonderheift Weihnachten des ENGELMAGAZINS)
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Der Zauber von Weihnachten wird in dir selbst geboren
Das kleine, aufgeregte Mädchen unterm Baum ist unsere Autorin Daniela Hutter. Ihr Weg durch die Kindheit hat sie verändert. Aber der Heilige Abend ist daheim immer gleich geblieben, dieselben Rituale, dieselben Lieder. Das machte den Zauber ihrer Weihnacht aus, weiß die Autorin heute. Sie hat sich die verlorene Besinnlichkeit des Festes zurückgeholt: „Für die Bedeutung von Weihnachten bin ich selbst zuständig“, sagt sie.
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Daniela Hutter

schreibt, bloggt und hält Seminare zum Thema bewusste Lebensführung. Es ist ihre Passion, alte Tradition mit zeitgemässer Spiritualität zu verbinden. Mit Menschen zu sein bereitet ihr Freude und deshalb bietet sie auch persönliche Coachings an.

 

Als Autorin schreibt Daniela Hutter für verschiedene Zeitschriften. Aktuell arbeitet sie an ihrem nächsten Buch. Bereits erschienen sind die Bücher „Lass deine Träume wahr werden“ (2013) und „Den Tag mit Engeln beginnen“ (2008), sowie das Kartenset „Energien der neuen Zeit“ (2013), „Mach dein Leben hell“ (2015) und "Das Yin-Prinzip" (August 2016)

 

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Impulsgeberin für moderne Frauen

Daniela Hutter weiß was Frauen beschäftigt und kennt die zahlreichen Herausforderungen und Hürden, die das Leben lehrt und der Alltag bietet. Fernab von Dogmen und klassischem Feminismus ermutigt sie in ihrer Arbeit vor allem Frauen in Kontakt mit ihrem wahren FrauSein zu kommen und mutig den eigenen Weg zu gehen. Sie weist den Weg in das Innere und erinnert zugleich daran, mit beiden Beinen auf der Erde zu stehen.

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Kommentare: 1
  • #1

    Evelyn Schmitz (Freitag, 23 Dezember 2016 07:02)

    Welch berührender Artikel, liebe Daniela, danke dafür!
    Und auch für die zauberhaften Fotos aus Deiner Schatzkiste. ♥
    Lass uns den Zauber der Weihnachten weiterhin behüten und das Fest der Liebe in tief verbundener Liebe begehen.

    Von Herz zu Herz
    Evelyn