Sophia. Göttlicher weiblicher Aspekt, der meinen Glauben "rund" macht.

Daniela Hutter schreibt, bloggt und hält Seminare zum Thema bewusste Lebensführung. Es gelingt ihr dabei alte Tradition mit zeitgemässer Spiritualität zu verbinden. ZeitQualität Neumond Vollmond Festtage Sophia

Der Tag der heiligen Sophie ist vielen bekannt - gilt er doch als letzter Tag der "Eisheiligen" - jene Tage, die die Gärtner fürchten, zumal sie meist die Kälte bringen und letztmögliche Termine für frostige Tage sind.

 

Der 15. Mai ist der letzte dieser Tage, der auf Pankratius, Servatius und Bonifatius folgt. Allesamt kennt man diese Heiligen als Märtyrer, auch Sophie, die als junge Frau den Märtyrertod, wahrscheinlich in der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian erlitt.

 

Doch wenn wir uns lösen von diesem Bild der christlichen Kirche und den Horizont des Wahrnehmens erweitern, dann können wir uns einem weiteren Bild öffnen:

In den alten Lehren wird Sophia als allumfassender Geist, als Schöpferin allen Lebens verehrt,  und man kennt die Formulierung der "weiblichen Dimension Gottes".  Sophia verkörperte einst die weibliche Seele Gottes, die Quelle seiner Kraft. Wenn wir den Bogen zu den Hindu-Göttern spannen, dann entspricht sie Kali-Shakti, von der die Hindu-Götter ihre Kraft erhielten.

 

Für mich persönlich ist es nur stimmig, dass im Sinne der Ganzheit, dem männlichen Aspekt des Göttlichen, so wie es uns heute oft versucht wird zu vermitteln, gleichwertig ein weiblicher Aspekt hinzu kommt. So nehme ich die Energie Sophias als den weiblichen Pol wahr, 

 

Gott Vater - Jesus - Heiliger Geist

 

Sehe ich in Jesus das Kind Gottes, so wie wir alle, als Mensch.
Sehe ich in Gott Vater das Männliche
So sehe ich im Heilige Geist das Weibliche, Sophia.
Und begegnet so in der Trinität auch dem Weiblichen.

 

Für mich bringt die Präsenz von Sophie die Vollkommenheit,
schließt den Zyklus.

Sophia als die himmlische Mutter.
Jesus der das göttliche Männliche und Weibliche in sich vereint.

 

Als himmlische Mutter ist sie für mich sozusagen mein "Milieu", das göttliche Weibliche das mich umgibt, und das ich zugleich ganz in mir finde und dies als den "heiligen Geist", die heilige Weisheit - tief in mir, als göttlichen Anteil. 

 

  • Fühle nach: In welcher Form nimmst du in dir "deinen heiligen Geist" wahr?

 

Das Symbol der Sophia war die Taube der Aphrodite. Später kannte man die Taube auch als Symbol des "heiligen Geistes" - doch die Kirche stellt diesen geschlechtsneutral dar. Eines der Anzeichen, wie das weibliche Prinzip "entfernt" wurde.

 

  • Fühle nach: Das weibliche Prinzip. Ist es in dir DA, indem du es GANZ lebst? 
  • Oder was in deinem Alltag führt dazu, dass du dich davon trennst es (im übertragenen Sinn) "ent-fernen" lässt? Es dich von dir ent-fernt?

 

Dennoch war man sich des weiblichen Anteils, der von Sophia repräsentiert wird, über all die Zeiten bewusst und er erfuhr immerwieder tiefe Verehrung. So versuchten die Mystikerinnen (Hildegard von Bingen, Teresa von Avila, die Beginenbewegung) die Tradition der Sophia wieder zu beleben.

 

Auch die ChristInnen der Ostkirche verehrten Sophia mit Hingebung. Ihr größtes Heiligtum wurde im 6. Jahrhundert n.Chr. errichtet: die Hagia Sophia ("heilige weibliche Weisheit"), die Kirche der heiligen Sophia.

 

  • Fühle dem Impuls nach. In welcher Weise könntest du deinem  "heiligen weiblichen Aspekt" ein "Heiligtum errichten" indem du es sichtbar, fühlbar, spürbar in deinem Alltag mehr zeigst und lebst?

 

Als Ikone wird Sophia im Mittleren Osten stets mit Sternen gekrönt dargestellt, was ihre absolute Göttlichkeit unterstreichen soll. Auch im alten Israel ist die Verehrung der Weisheit verbreitet. Wir finden die Weisheitstexte im Alten Testament, in den Sprüchen Salomos, in der Weisheit Salomos, im Buch Jesus Sirach und im äthiopischen Buch Henoch.

 

Ich persönlich gehe in tiefe Resonanz mit der Präsenz dieser göttlichen Energie. Als ich vor Jahren dieses Betrachtungsbild für mich (wieder) ent-deckte (im wahrsten Sinne des Wortes), fühlte es sich für mich (endlich) "rund" an. Mir reichte sich durch dieses Bewusstsein "der Missing Link".

Das Bild "rund" als Ausdruck des Kreises - der als  solcher immer Heilung bringt. Das Göttliche in mir wurde ganz. Durch die christliche Erziehung in meiner Kindheit erhielt mein Glaubensbild eine patriarchale Ausrichtung. Diese fühlte sich stets unvollkommen an. Nun, den weiblichen Aspekt wiederentdeckt und integriert, ist mein Glaubensbild damit heil und frei von Dogma.

 

"Weisheit gebiert Glaube, Hoffnung und Liebe." - vielleicht kennst du dieses Sprichwort. Es kommt aus der mythischen Überlieferung dass Sophia drei Töchter gebar: Glaube, Hoffnung und Liebe.

Und wenn wir im modernen Sprachgebrauch das Wort Hoffnung durch Vertrauen ersetzt (denn man in der Energie der Worte trägt "Hoffen" auch immer die Qualität des Scheiterns schon in sich) - dann sind es die drei Qualitäten Glaube, Vertrauen und Liebe .. die uns unserem alltäglichen (er)Leben behutsame Führung schenken.

 

 

 

„Die Göttin, die die Seele der Erde, des Himmels, des lebendigen Wesens ist, in deren Leib wir Zellen sind, war einmal in uns wach, und alle kannten sie und ehrten sie in Frauen und Männern, in der Natur, im Wechsel der Jahreszeiten und in den Veränderungen unseres Lebens, in den Werken, die wir mit unserem Geist und unseren Händen schufen, in den Pflanzen und Tieren, in Mond, Sonne und Meer, in Baum und Stein und im komplexen Tanz, den alle Lebewesen miteinander tanzen. Wir lebten auf der Erde im Gleichgewicht. Frauen waren frei, und Männer auch, denn wir hatten noch nicht gelernt, uns gegenseitig zu unterdrücken“ (Starhawk 1991, S. 381) 

 

 

(c) copyright, auch auszugsweise ausschließlich unter der vorgegebenen vollständigen Quellenangabe

Fotocredit: canva

 

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Daniela Hutter

schreibt, bloggt und hält Seminare zum Thema bewusste Lebensführung. Es ist ihre Passion, alte Tradition mit zeitgemässer Spiritualität zu verbinden. Mit Menschen zu sein bereitet ihr Freude und deshalb bietet sie auch persönliche Coachings an.

 

Als Autorin schreibt Daniela Hutter für verschiedene Zeitschriften. Aktuell arbeitet sie an ihrem nächsten Buch. Bereits erschienen sind die Bücher „Lass deine Träume wahr werden“ (2013) und „Den Tag mit Engeln beginnen“ (2008), „Mach dein Leben hell“ (2015), "Das Yin-Prinzip" (August 2016) sowie das Kartenset „Energien der neuen Zeit“ (2013) und "Karten der Weiblichkeit" (2017).

 

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Impulsgeberin für moderne Frauen

Daniela Hutter weiß was Frauen beschäftigt und kennt die zahlreichen Herausforderungen und Hürden, die das Leben lehrt und der Alltag bietet. Fernab von Dogmen und klassischem Feminismus ermutigt sie in ihrer Arbeit vor allem Frauen in Kontakt mit ihrem wahren FrauSein zu kommen und mutig den eigenen Weg zu gehen. Sie weist den Weg in das Innere und erinnert zugleich daran, mit beiden Beinen auf der Erde zu stehen.

Ich freue mich auf unseren Gedankenaustausch

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Kommentare: 1
  • #1

    Maria (Sonntag, 20 Mai 2018 05:18)

    Hach, so wunderschöne Worte hast du gefunden. Danke von Herzen.