Wie ich in Kalkutta das Glück traf

Vor den Fenstern meines Hotelzimmers, abendlicher Lärm in Kalkutta. Eine Stadt, die man sich eher nicht für einen Urlaub aussucht. So gut wie nie ist sie Teil eines Touristenprogramms. Denn außer Schmutz, Lärm und Armut hat sie nicht viel zu bieten. Für mich ist es meine zweite Reise hierher. Nach sechs Jahren bin ich wieder hier. Damals wie heute folgte ich einem inneren Ruf und schloß mich wieder der kleinen Gruppe rund um Claudia Stöckl und Marlies Steinbach, den

beiden Obfrauen des Vereins „Zuki – Zukunft für Kinder“, an. Unser Ziel sind die Projekte des Vereins: Kinderheim und Schulen.

 

Bevor es also morgen wieder zu diesen Stätten geht, habe ich mir für heute eine Stadtrundfahrt organisiert. Ich saß ich auf dem Sozius des Mopeds eines indischen

Guides und erlebte das Chaos mittendrin. Der junge Inder brauste mit mir durch die Stadt, durchs Zentrum, vorbei an Märkten, Brücken, vorbei am Ganges, vorbei

an den heiligen Stätten. 

Mehr als diese Orte berührten mich die Bilder der Menschen, die auf Straßen und unter Brücken hausen, ein Stück Karton als Zuhause. Ich sah die Menschen, die im

Müllberg der Stadt leben. Den Gestank dort konnte ich kaum aushalten. Ich sah in die leeren Augen von jungen Frauen, die meine Töchter sein könnten. Gequälte, versklavte Mädchen im Rotlichtviertel von Kalkutta.

 

Es ist Abend im Hotelzimmer. Kein Fernsehen, ich habe genug Bilder in mir. Kalkutta heißt mich mit all seinem Elend willkommen.

 

Große Freude macht mir das Wiedersehen mit den Kindern und Erwachsenen im Projekt rund um die Nalanda School. Es wird von Pater Xavier geleitet. Er hatte viele Jahre mit Mutter Teresa zusammengearbeitet, bis ihn die Umstände zu eigenen Wegen führten. 1994 wird Xavier Raj Arul Augenzeuge, wie ein 13-jähriges Mädchen in den Slums zur Prostitution verkauft wird. Er beschließt, sein Leben und seine Arbeit den Straßenkindern von Kalkutta zu widmen und nimmt zunächst 29 obdachlose Kinder in zwei Lehmhütten auf. Tag für Tag geht er von Tür zu Tür, um begüterte Inder um Spenden zu bitten. Der Zufall unterstützte ihn mit der Begegnung der Österreicherin Gerhild Taneew, die im Jahr 2002 den

Verein „Zuki – Zukunft für Kinder“ gründete. Die großartige Arbeit des Teams in Österreich hat es möglich gemacht, dass mittlerweile ein umfassendes Projekt den Kindern ein Zuhause, ärztliche Versorgung, Schul- und Berufsausbildung bietet.

 

Wie immer herrscht große Aufregung, wenn Besuch aus Österreich kommt. Es wird als Fest zelebriert: „Welcome ceremony“. Die Kinder tragen ihre schönsten Gewänder, überreichen Blumenketten, haben Shows vorbereitet. In der hauseigenen Bäckerei kreiert man unglaublich bunte und unglaublich süße Kuchen. Es ist das Danke der Menschen hier an den Besuch, stellvertretend an die vielen Paten

in Österreich, Deutschland und der Schweiz, die es ermöglichen, dass diese Kinder zur Schule gehen, statt Müll zu sortieren. Dass sie eine Ausbildung bekommen,

statt auf den Strich zu gehen, nur um ihre Familie ernähren zu können. Der Name des Vereins ist Programm: Es wird Zukunft geschenkt. Selten habe ich so viel Dankbarkeit gesehen.

 

Wir sind nicht mit leeren Händen gekommen. In unseremGepäck haben wir Kleiderspenden von einer Textilfirma und Geschenke und Briefe, die die Paten mitgeschickt haben. Wie schon bei meinem letzten Besuch berührt es mich sehr, wie viel Glück ein Brief sein kann. Nicht alle Kinder haben Post bekommen. Doch glückliche Briefempfänger teilen ihre Freude mit ihren Freunden. Und immer wieder zeigen mir die Kinder ihre Post. Sie bewahren die Briefe ihrer Paten als kostbare Schätze unter dem Kopfkissen auf, klein gefaltet, oft in den Händen gehabt, man sieht es den Briefen an, dass sie wieder und wieder gelesen werden. Jeder Brief ein Stück Glück. 

 

An jedem meiner Kalkutta-Tage bin ich umringt von Kindern. Ich bringe mit, wofür es hier oftmals nicht reicht: Zeit und Zuwendung. Es wird gekuschelt, geknutscht, geherzt und gelacht. Die kleine Adwitiya weicht mir nicht von der Seite, ich bin ihre Aunty. Eines „meiner“ Kinder, die ich in Kalkutta mit meiner Charity-Arbeit unterstütze. Auch ihre Geschichte berührt das Herz. Auch ihr ursprüngliches „Zuhause“ war das Rotlichtmilieu. Gewalt, Elend, sexueller Missbrauch prägen den Alltag. Das wäre wohl auch ihre Zukunft gewesen. Adwitiya hatte wohl besondere Schutzengel an ihrer Seite, himmlische und irdische, als Streetworker sie ins Projekt von Xavier Raj gebracht haben. Mittlerweile gehört sie zu den besten der Klasse. Ihr Englisch und ihre Lesekenntnisse sind fabelhaft.

 

Groß ist die Wiedersehensfreude auch mit meinen Patenkindern Tumpa und Deepak. Die beiden kenne ich schon von meinem letzten Besuch. Deepak kam damals als Halbwaise ins Projekt von Zuki. Er hat seine Schulausbildung

bereits abgeschlossen. Für heute ist er zurück ins Kinderheim gekommen und hat sich extra von seiner Arbeit frei genommen. Deepak arbeitet nun in einem  Callcenter. Mit seinem Gehalt kann er seine kranke Mutter und seine Geschwister unterstützen. Es berührt mich sehr, dass ich Teil seines Lebens bin. Unsere Begegnungen sind sehr herzlich, unsere Verbindung tief.

 

 

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Dieser Text erschien zuvor als Artikel für das Engelmagazin 04/16

 

 

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Daniela Hutter

schreibt, bloggt und hält Seminare zum Thema bewusste Lebensführung. Es ist ihre Passion, alte Tradition mit zeitgemässer Spiritualität zu verbinden. Mit Menschen zu sein bereitet ihr Freude und deshalb bietet sie auch persönliche Coachings an.

 

Als Autorin schreibt Daniela Hutter für verschiedene Zeitschriften. Aktuell arbeitet sie an ihrem nächsten Buch. Bereits erschienen sind die Bücher „Lass deine Träume wahr werden“ (2013) und „Den Tag mit Engeln beginnen“ (2008), sowie das Kartenset „Energien der neuen Zeit“ (2013). Ihr neuestes Buch „Mach dein Leben hell“ erscheint im August 2015. Aktuell arbeitet sie an ihrem nächsten Buch "Das Yin-Prinzip" (erscheint 2016)

 

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Impulsgeberin für moderne Frauen

Daniela Hutter weiß was Frauen beschäftigt und kennt die zahlreichen Herausforderungen und Hürden, die das Leben lehrt und der Alltag bietet. Fernab von Dogmen und klassischem Feminismus ermutigt sie in ihrer Arbeit vor allem Frauen in Kontakt mit ihrem wahren FrauSein zu kommen und mutig den eigenen Weg zu gehen. Sie weist den Weg in das Innere und erinnert zugleich daran, mit beiden Beinen auf der Erde zu stehen