Ist Spiritualität die Lösung für den Alltag?

Das Frau-Sein anzunehmen ist eine heilige Reise zum Kern unserer Seele. Die weibliche Kraft ist Ausdruck des lebensbringenden Prinzips.

Bevor ich diese Zeilen schrieb, fand ich mich in einem E-Mail-Austausch mit einer Leserin. Diese Dialoge genieße ich stets sehr. Denn die Menschen, mit denen ich verbunden bin, haben mit mir das spirituelle Interesse gemeinsam. Und gemeinsam haben die meisten von ihnen auch den Wunsch nach einem „besseren Leben“. Und leider: Für viele scheint sich ein sehr grauer Alltag über Lebensfreude und Leichtigkeit zu legen. Probleme, Kummer und Anstrengung – davon wird mir oft erzählt. Und die Geschichten offenbaren mir auch, dass sich manche Menschen manchmal eine „Parallelwelt“ erschaffen. Engel, Meditation, Seminare und Bücher kreieren eine Insel, die das Leben erleichtern. Scheinbar.  Und wenn, dann nur wohl nur kurzfristig.

Die Insel die man sich kreiert, kann aber auch Insel-Einsamkeit bedeuten. Wie ein gestrandeter Schiffbrüchiger. So bleibt die Sehnsucht nach einem „anderen Leben“. Viele wünschen sich dann als Ausweg einen spirituellen Partner, spirituelle Freunde, ein spirituelleres Berufsumfeld, spirituelle Lebensgemeinschaften. „Spirituell“ scheint die Lösung für das menschliche Leben zu sein. Andere erzählen mi r davon dass sie sich als „anders als die anderen“ empfinden, wollen nicht „hier“ sein – sehnen sich nach dem „Zuhause“.

 

Mein Beruf bringt es mit sich, die Menschen an das Leben selbst  zu erinnern. Das ist mein Auftrag und meine Berufung.  An das Leben, in dem wir mittendrin sind. Ihre Essenz, die eine menschliche ist. Was sonst. In alledem gehe ich auch  davon aus, dass wir bereits spirituell sind – und es schon immer waren. Wir haben uns als spirituelle Wesen für die Erfahrung des Menschseins entschieden, von Geburt an. Ich bin fest davon überzeugt, heute mehr denn je.

 

Leider haben wir unser angeborenes spirituelles Sein oft schnell vergessen, oder anders: Wir haben entschieden, es zu vergessen. Bis wir eines Tages, meist aufgeschreckt durch ein besonderes Lebensereignis, den spirituellen Weg als Alternative für unser bisheriges Lebensmodell erkennen. Also entscheiden wir, diesen Weg zu gehen – so glauben wir. In Wirklichkeit ist es wohl so, dass es diesen einen Mikromoment gibt, in dem wir „erwachen“. Etwas in uns erinnert sich plötzlich an die Essenz des wahren Selbst, an das innerste Wesen. Wir erinnern uns sozusagen an das spirituelle Wesen, das wir sind.

 

Aber schon ist da ein neuer Irrglaube: Wir meinen, dass wir uns den neuen Weg „erarbeiten müssen“. Da wirken die üblichen Erziehungs- und Glaubensmuster.

  • Verdienen und erarbeiten – fühlt sich das nicht anstrengend an?
  • Muss das wirklich sein?

Als ich diese Muster in mir entdeckte, und bewusst beiseite schob, offenbarte sich mir, dass es nur die spirituelle Ausrichtung ist, auf die es ankommt. Es braucht die innere Verbindung zum höheren Selbst. Wenn wir diese Verbindung halten können, dann bietet sich uns ein anderer Weg an. Jener des Vertrauens, des angebunden Seins, jener der Bestimmung.

 

So wage ich es zu sagen: Löse dich vom menschlichen Ego, und es wird ganz einfach. Dies als Inspiration von mir zu dir. 

 

Nachfolgend die fünf häufigsten Sätze, mit denen das Ego das Lasso nach uns wirft: 

 

„Ich könnte wieder verletzt werden.“

Dieser Antwort begegne ich in meinen Seminaren und Coachings oft, wenn es darum geht, die Ursache für eine Blockade oder Stagnation zu finden. Spirituelle Techniken schenken uns Unterstützung, die akute Wahrnehmung des Schmerz zu verändern. Wir meinen, alles ist (wieder) gut.

 

Doch wenn du diesen Satz gebrauchst, weist es darauf hin, dass dein Ego dich festhält und einschränkt. Es will das Leben nach seinen Vorstellungen kontrollieren. Dies im Bestreben dich vor neuen Verletzungen zu schützen. Das Ego wird von der Angst genährt. Wenn du dich mit dem höheren Selbst verbindest, dann verbindest du dich auch mit der Quelle des Vertrauens. 

 

„Das Leben ist anstrengend.“

Diesem Satz gehen Prozesse des Vergleichens und Bewertens voran, allen voran Konzepte der Erwartungshaltung und der Vorstellungen.

 

Wann immer man sich mit einer unerwünschten Situation konfrontiert sieht, spielt uns das Ego die Glaubenssätze des „Sich-etwas-erarbeiten-und- verdienen-Müssens“ zu. So stellt sich das Leben vermeintlich als ein Kampf, Anstrengung des Überlebens dar.

 

Das Ego selbst tut sich schwer mit der Erkenntnis, dass das Leben ein Entwicklungsprozess ist, der eine stetige Selbsterfahrung ist und dem spirituellen Wachstum dient. Deshalb lehnt es auch ab (mehr oder weniger bewusst), dass sich in jeder Hürde eine Erkenntnis und ein Lernschritt und ein Mehr des Lebens offenbart. 

 

"Das soll halt nicht sein"

Das Ego kennt das Glaubensmuster, dass „mir etwas nicht zusteht“, es glaubt auch nicht daran, dass es Einfluss auf den Verlauf des Lebens hat. Diese Haltung kreiert die Trennung von der inneren Schöpferkraft.

 

Das höhere Selbst glaubt an seine Träume, Wünsche und Visionen. Und wenn wir als Mensch mit ihm verbunden sind, werden wir alles Mögliche tun und alle möglichen feinstofflichen Ebenen miteinbeziehen, dass sie Realität werden. 

 

"Ich bin anders"

Diese Egofalle finde ich besonders perfide. Denn der Alltag scheint uns doch tagtäglich zu beweisen, dass ich anders bin als die anderen, durchaus aus dem spirituellen Blickwinkel gesehen. Und dem gilt es zunächst zu antworten: „Ja das stimmt“.

Wir sind alle anders, weil wir alle einzigartig sind.

 

Und doch nicht. Aus der Wahrnehmung des höheren Selbsts sind wir alle gleich, sogar noch mehr: Ich bin ein Teil von dir und du bist ein Teil von mir. Das höhere Selbst führt uns aus der Haltung heraus, dass alles mit allem verbunden ist und dass wir selbst uns auch im anderen Menschen erkennen können.

 

Das höhere Selbst wählt weder die Zurückweisung noch den Rückzug oder die Trennung aus der Einheit heraus. 

 

"Die Situation ist leider so."

 Schuldzuweisungen. Das Ego kann verständnisvolle Argumente reichen, die Situationen oder Menschen dafür verantwortlich sind, dass wir Opfer der Umstände sind. Und mit der Haltung des Opfers kann uns das Ego verlockend überzeugen, dass es nicht wir sind, die die Verantwortung für eine unerwünschte Lebenssituation tragen.

 

Das höhere Selbst hingegen erinnert uns in jedem Moment des Lebens an unsere Schöpferkraft. Und weiß, dass das Leben sich als eine Konsequenz jedes Gedankens und Nicht-Gedankens, jeder Handlung und Nicht-Handlung, jeglicher Entscheidung zeigt.

Das höhere Selbst möchte sich als Schöpfer des eigenen Lebens erfahren – ihm dient das Leben als lebenslanger Prozess der Selbst-Erfahrung. 

 


Dieser Text erschien zunächst als Artikel im Engelmagazin 

 

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Daniela Hutter

schreibt, bloggt und hält Seminare zum Thema bewusste Lebensführung. Es ist ihre Passion, alte Tradition mit zeitgemässer Spiritualität zu verbinden. Mit Menschen zu sein bereitet ihr Freude und deshalb bietet sie auch persönliche Coachings an.

 

Als Autorin schreibt Daniela Hutter für verschiedene Zeitschriften. Aktuell arbeitet sie an ihrem nächsten Buch. Bereits erschienen sind die Bücher „Lass deine Träume wahr werden“ (2013) und „Den Tag mit Engeln beginnen“ (2008), „Mach dein Leben hell“ (2015), "Das Yin-Prinzip" (August 2016) sowie das Kartenset „Energien der neuen Zeit“ (2013) und "Karten der Weiblichkeit" (2017).

 

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Impulsgeberin für moderne Frauen

Daniela Hutter weiß was Frauen beschäftigt und kennt die zahlreichen Herausforderungen und Hürden, die das Leben lehrt und der Alltag bietet. Fernab von Dogmen und klassischem Feminismus ermutigt sie in ihrer Arbeit vor allem Frauen in Kontakt mit ihrem wahren FrauSein zu kommen und mutig den eigenen Weg zu gehen. Sie weist den Weg in das Innere und erinnert zugleich daran, mit beiden Beinen auf der Erde zu stehen.

Wie entlarvst du dein Ego?