Nein zur Opferrolle !

Lydia und die Bedeutung des Namens. Lydia als Heilige und Patronin für die emanzipierte Frau. Namensherkunft und Namenstag

 

Ich sitze am Schreibtisch und tippe. Es ist eine Nachricht an meine Freundin. Beinahe täglich diskutieren wir per Mail oder SMS, was uns gerade bewegt. Alltagsthemen, aber keine oberflächliche Plauderei. Ganz bewusst bemühen wir uns um Tiefe, und meist gelingt uns das auch. Persönliche Erfahrung, gemeinsames Erleben, neue Erkenntnisse, alles in allem: immer ein Gewinn für uns und ein großes Geschenk unserer Freundschaft.

 

Aber heute geht’s mir nicht gut, ich bin schlecht drauf. Ein Ereignis aus unserem Familienalltag hat mich ordentlich aus der Bahn geworfen. Ich fühle mich wie ein kleines Kind: verloren und alleine, schutzbedürftig und suchend nach Trost. Meine Freundin scheint der ersehnte Rettungsanker zu sein. So schreibe ich mir in einer Nachricht an sie meinen Schmerz, meine Wut und all meine Emotionen von der Seele. Es dauert nicht lange, da antwortet mir meine Freundin:

 

„Was bewegt dich so tief, wo kommt das ungute Gefühl denn nun wirklich wirklich her?“

 

Pfffff ... worauf ich gerade gar keine Lust habe, ist, mich in dieser Geschichte groß zu hinterfragen.

Ich bin emotional aufgeregt, fühle mich ungerecht behandelt und eigentlich hätte ich gerne Zuspruch. Ich hätte gerne jemanden, der mich ein bisschen bemitleidet und mir bestätigt, dass diese Sache unmöglich ist, eine Zumutung, und außerdem und überhaupt ... es regt sich Widerstand in mir, gegen den Dialog, den mir meine Freundin offensichtlich anbietet.

 

Das Handy piepst. Als hätten meine Gedanken meine Freundin erreicht, schreibt sie noch eine kurze Nachricht dazu: 

  • Weißt du, ich mag dich jetzt nicht noch in deinem Gefühl bestärken, indem ich dir schreibe ,du Arme’ – das fühlt sich gerade nicht richtig für mich an und auch nicht stimmig für deine Situation.“ 

Das sitzt. Meine Freundin ist mir loyale Gefährtin, von Seele zu Seele, seit Jahren schon. Ich bin mir gewiss, dass wir uns auf einer anderen Ebene versprochen haben, füreinander da zu sein – und das ist sie in einer ganz besonderen Weise, um miteinander das Leben zu ergründen, es vom Sinn her besser zu verstehen – und damit einander in der Entwicklung zu ermutigen.

 

Dennoch, jetzt sträubt sich alles in mir. Mein Ego wehrt sich. „Ich will jetzt nicht sinnieren – ich will jetzt gehätschelt werden.“ Mein Ego bietet mir das Gefühl von Empörung an. Allerdings ist da noch etwas anderes, eine Stimme, zunächst kaum hörbar, dann immer lauter. Meine innere weise Seele meldet sich. Sie will mich vor meinem Ego behüten und schickt mir eine Botschaft:

 

Würde meine Freundin „die Arme“ in mir bestätigen, würde sie auch das kraftlose und machtlose Ich bejahen und damit meine Opferrolle, in die ich mich offensichtlich gerade flüchte.

 

Doch so schnell gibt mein Ego nicht auf. Es argumentiert mit Unverständnis: „Sie hat ja keine Ahnung, was das für mich bedeutet.“  Und: „Würde sie in so einer Situation sein wie ich, dann würde sie auch nicht ins Thema hinein sinnieren wollen“. Ich wanke. Soll ich mich zu meiner weisen Seele bekennen oder mich doch lieber beim Ego unterhaken? Mein Ego rumort im Kopf: „Ich Arme. Keiner versteht mich, keiner ist für mich da und ich fühle mich damit ganz allein. Das Leben ist so ungerecht. Wäre sie eine echte Freundin, dann wäre sie auf meiner Seite und ...“

 

Und wieder – im richtigen Augenblick erreicht mich noch eine Kurznachricht: 

  • „Du weißt eh Liebe, ich bin für dich da, ich biete dir meine offenen Arme an. Entspanne dich, ich bin bei dir.“ 

Mit jedem Wort das ich nun lese, spüre ich, wie sich etwas in mir entspannt. „Ich bin nicht allein“. Meine Seele fühlt sich angenommen, Widerstand in mir löst sich auf. Es ist, als ob ich mein Herz für das schmerzvolle Erleben öffne. Ich bin bereit, Sinn und die Botschaft für mich darin zu erkennen.

 

Ganz oft habe ich dies auch in anderen Situationen schon erleben dürfen und ich erinnere mich an die Lernschritte, die ich dadurch machen konnte: Indem ich meinen Wi-derstand gegen eine äußere Situation loslasse, lade ich das Geschehen in mein Herz ein. Ich spüre, wie ich das Erleben mit meiner Liebe umarme. Zugleich öffne ich mich und erlaube mir jedes Gefühl, jede Emotion und auch jeden Schmerz.

 

Doch mein Herz und die Liebe geben mir genug Raum für die Erfahrung. Und weil die Liebe über allem steht und alles heilt, halte ich auch meine eigene Energie und verliere meine Schwingung nicht.

 

Für das Leben bedeutet es:

Ich spüre und halte meine Kraft. Die Opferrolle hat damit keine Chance.

 

Das Handy piepst. 

  • „Bist du noch da?“,

fragt meine Freundin. Ich beginne wieder zu tippen und zu erzählen, wie sich die Situation nun anfühlt: ganz anders, tiefer, bewusster.

 

Mein Ego ist verstummt, meine weise Seele zufrieden. Und ich bedanke mich bei unserer Freundschaft.

 


Obiger Text erschien als Kolumne "Mitten in die Brösel" im Engelmagazin.

 

(c) copyright, auch auszugsweise ausschließlich unter der vorgegebenen vollständigen Quellenangabe

Fotocredit: www.steffifischerphotography.de

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Woran du erkennst, dass du in der Opferrolle bist

Opferrolle verlassen, stärke dein Selbstbewusstsein, Eigenverantwortung
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deine persönliche Checkliste

 

  • Du fühlst dich benachteiligt?
  • Du fühlst dich ungerecht behandelt?
  • Die anderen sind schuld?
  • Du beklagst dich ..
  • Du nörgelst .. 
  • Du lästerst ..
  • "Ich kann nicht" ..
  • "Ich würde ja..."
  • "Ich hab keine Zeit .."
  • "Es geht nicht weil .."
  • "Erst wenn ... dann ..."
  • Du regst dich ständig wegen Kleinigkeiten auf, 
    bist ständig unzufrieden?
  • Du kennst das Gefühl von Selbstmitleid
  • Es gibt immer jemand der's besser kann, schöner ist,
    der's besser hat usw.

dein scheinbarer Gewinn als Opfer

  • Du erhältst Aufmerksamkeit
  • Du mußt keine Entscheidungen treffen
  • Du kannst (dann) nicht schuld sein
  • Du mußt keine Verantwortung übernehmen

warum's gar nicht so einfach ist

  • die Muster können sehr subtil sein
  • das Gehirn ist gut im Gaukeln und verdreht's das (er)Leben ständig vor dir selber

raus aus der Opferrolle!

warum's der einzige Weg ist

  • weil du sonst dein Selbstbewusstsein immer mehr zerstörst
  • weil du dich von deiner eigenen Kraft abschneidest - immer mehr
  • weil du nicht eigenbestimmt lebst

  • weil das Leben ohne Opfersein viel lebendiger ist! 

stay tuned - bleib in Verbindung

Das  Bewusstsein für  "eine neue Weiblichkeit & weibliche Kraft" sind mir Passion. Als Bewusstseinstrainerin für Frauen zeige ich Wege  für mehr Lebensfreude und für mehr Lebensglück auf, dies auf dem naturgemäßen, selbstbewussten Weg ihrer Bestimmung als Frau - dem weiblichen Weg. 

 

Ich nenne es das Yin-Prinzip.  und  schreibe ich hier auf dem Blog laufend, informiere in meinem Newsletter, erinnere via Facebook und Instagramm. Und wenn du den Dialog magst, heiße ich dich in der kostenfreien FacebookGruppe zum Yin-Prinzip willkommen.

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Daniela Hutter

schreibt, bloggt und hält Seminare zum Thema bewusste Lebensführung. Es ist ihre Passion, alte Tradition mit zeitgemässer Spiritualität zu verbinden. Mit Menschen zu sein bereitet ihr Freude und deshalb bietet sie auch persönliche Coachings an.

 

Als Autorin schreibt Daniela Hutter für verschiedene Zeitschriften. Aktuell arbeitet sie an ihrem nächsten Buch. Bereits erschienen sind die Bücher „Lass deine Träume wahr werden“ (2013) und „Den Tag mit Engeln beginnen“ (2008), „Mach dein Leben hell“ (2015), "Das Yin-Prinzip" (August 2016) sowie das Kartenset „Energien der neuen Zeit“ (2013) und "Karten der Weiblichkeit" (2017).

 

» Mehr Info zu Daniela Hutters Büchern 

 

Impulsgeberin für moderne Frauen

Daniela Hutter weiß was Frauen beschäftigt und kennt die zahlreichen Herausforderungen und Hürden, die das Leben lehrt und der Alltag bietet. Fernab von Dogmen und klassischem Feminismus ermutigt sie in ihrer Arbeit vor allem Frauen in Kontakt mit ihrem wahren FrauSein zu kommen und mutig den eigenen Weg zu gehen. Sie weist den Weg in das Innere und erinnert zugleich daran, mit beiden Beinen auf der Erde zu stehen.


Ich freu mich über den GedankenAustausch zum heutigen Tag

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Kommentare: 3
  • #1

    Anke (Mittwoch, 07 August 2019 09:15)

    Liebe Daniela,
    danke für die Erinnerung!
    Ich fühle mich fast ein wenig ertappt - mein Ego ist ein ziemlicher Schlawiner...
    Werde ich still und mutig, sehe ich wieder klar. Das ändert erst einmal nichts an dem Außen - die Veränderung kommt jedoch prompt und zieht Kreise...
    Und über die bin ich oft erstaunt, wenn ich alles mit Abstand dann noch einmal anschaue.

  • #2

    Evelyn (Donnerstag, 08 August 2019 08:21)

    Liebe Daniela, - wie du es wieder schön auf den Punkt bringst und in Worten fasst.
    Opfer...warum gerade, sind wir Frauen so oft Opfer - ... denke ich mir in dem Moment.
    Lassen wir es doch nicht zu!

  • #3

    Theresa (Freitag, 09 August 2019 08:26)

    Liebe Daniela, danke für den Artikel. Es ist wundervoll nachvollziehbar erzählt was manchmal einfach so passiert und wie man für sich wieder gut raus kommen kann. Ich weiß, Übung macht den Meister.