Wieviel Plan braucht (d)ein Leben?

Daniela Hutter YinPrinzip Podcast Dr. Karl Steinmetz Traditionelle Europäische Medizin TEM

 

„Ich plane mein Leben nicht mehr“, schreibt eine befreundete Autorin in ihrem Posting auf Social Media und die Follower reagieren begeistert.

 

„Du planst nicht mehr?“, frage ich sie in einer privaten Message, „so kenne ich dich doch gar nicht?“ „Natürlich habe ich Pläne“, antwortete sie mir, „aber ich lege mich und mein Leben nicht mehr fest:

 

Ich lasse mich viel mehr als früher auch auf das Leben ein, und folge dann dem Leben“.

Genau. Und das macht den Unterschied – aber das hatte sie in ihrem Posting nicht so formuliert. 

 

Ich weiß, wie achtsam man mit geschriebenen Worten sein muss, und wie wichtig es ist, als Protagonistin sehr bedacht eine Positionierung einzunehmen. Leser folgen Autor*innen oft, weil sie sich Inspiration für ihren Alltag wünschen, und aus der Inspiration auch Lösungen für ihre Situationen, Herausforderungen und Probleme. Auf diese Weise fungieren Autor*innen oft als Vorbild.

 

Der Mensch denkt, Gott lenkt .... was heißt das?

„Ich mache auch keine Pläne mehr – der Mensch denkt, Gott lenkt“, postet eine Leserin als Antwort. In meiner Coachingarbeit begegne ich dieser Haltung bei meinen Klienten ganz oft. Manchmal spricht in diesem Satz die Erfahrung des Scheiterns und auch die Angst, es wieder nicht zu schaffen. Ich erkenne darin ganz oft tiefe Resignation. Zugleich aber wenden sich die Menschen an mich, weil sie etwas in ihrem Leben verändern wollen. Und alleine dieses „Etwas“ zu formulieren und zu beschreiben – das ist schon der Beginn eines Plans.

 

Gerne verwende ich dann als Bildnis die Fahrt mit dem Auto. Wenn ich mich ins Auto setze, habe ich zu 99 % eine Idee warum. Wenn ich es z. B. tue, um einkaufen zu fahren, setze ich mich ins Auto mit der Absicht, ein Geschäft anzusteuern – da sind dann schon zwei Pläne: Einkaufen & Geschäft. Der Weg dahin ist offen: kann sein, dass er sich heute anders zeigt, weil da plötzlich eine Umleitung ist, die die Straße blockiert. Kann sein, dass ich auf dem Weg der Umleitung plötzlich ein anderes Geschäft entdecke, das ich noch nicht kannte und das mich nun mehr begeistert. Der ursprüngliche Plan „Einkaufen & Geschäft“ ist geblieben, das Endergebnis durfte sich verändern – vielleicht sogar  zum Besseren. Nicht anders ist es mit dem Leben. 

Das Leben braucht einen Plan, eine Bestimmung.

 

Der Mensch denkt, Gott lenkt – dem stimme ich durchaus auch zu. Aber ich höre zweimal hin. Wie ist der Unterton in diesem Satz?

 

Wir tragen alle ein „altes Bewusstsein“ in uns und auch „alte Prägungen“. So gab es eine Zeit, in der es unsere Religion (bzw. die Kirche) gar nicht erlaubte, „sich mit seinem Denken über Gott zu erheben“ – damit meine ich, dass man zu akzeptieren hatte, was einem zugestanden wurde oder eben nicht. Damit wurden die Menschen klein gehalten. Größeres zu denken bzw. wünschen, oder gar planen bzw. zu wagen, war äußerst verwerflich, wenn nicht gar eine Sünde – und „das Himmelreich blieb verschlossen“, als bestrafende Konsequenz.

 

Alte Zeiten sind vorbei. Wir leben in neuen Zeiten, auch in neuen Möglichkeiten und auch in geistiger neuer Freiheit. Unsere Seele und unser Leben wünschen es sich geradezu, dass wir uns „über das bislang Bekannte erheben und unseren Geist frei fliegen lassen, hinein in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten“.

 

„Ich lasse auch lieber alles auf mich zukommen“, lautet eine andere Antwort, und man fühlt geradezu die Erleichterung der Leserin, die die Aussage der Autorin als Bestätigung wählt. Es ist eine Gratwanderung, meine ich. Denn ganz oft ist es die (unbewusste) Opferrolle, die aus diesem Satz spricht.

 

Zu viele Menschen tragen die Überzeugung in sich, dass es das Leben nicht gut mit ihnen meine, dass Begleitumstände unveränderlich seien, und dass man einfach mit dem Gegebenen zufrieden sein müsse. Diese Haltung ist durchaus bequem. Man hat einen Verantwortlichen und man fühlt sich nicht aufgefordert, selbst etwas zur Veränderung beizutragen. Als Autorin möchte ich meine Leser in dieser Haltung nicht bestärken.

 

Denn mein Weltbild und meine Lebenserfahrung lehrte mich ganz anderes:

Das Leben birgt in all seiner Fülle so viele Möglichkeiten. 

 

Möglichkeiten, die von uns nur den Mut fordern, frei darüber zu entscheiden, wie man sein Leben bestmöglich gestalten möchte. Jeder, der das tut, hat einen Plan.

 

Einen Plan, der Orientierung gibt und Ziele setzt. Einen Plan, der uns in die Verantwortung für das eigene Leben nimmt, uns aber keiner einzigen Freiheit beraubt.

 


Der Artikel erschien zunächst im Engelmagazin.


(c) copyright, auch auszugsweise ausschließlich unter der vorgegebenen vollständigen Quellenangabe

Fotocredit: steffi fischer; canva

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Daniela Hutter

schreibt, bloggt und hält Seminare zum Thema bewusste Lebensführung. Es ist ihre Passion, alte Tradition mit zeitgemässer Spiritualität zu verbinden. Mit Menschen zu sein bereitet ihr Freude und deshalb bietet sie auch persönliche Coachings an.

 

Als Autorin schreibt Daniela Hutter für verschiedene Zeitschriften. Aktuell arbeitet sie an ihrem nächsten Buch. Bereits erschienen sind die Bücher „Lass deine Träume wahr werden“ (2013) und „Den Tag mit Engeln beginnen“ (2008), „Mach dein Leben hell“ (2015), "Das Yin-Prinzip" (August 2016) sowie das Kartenset „Energien der neuen Zeit“ (2013) und "Karten der Weiblichkeit" (2017).

 

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Impulsgeberin für moderne Frauen

Daniela Hutter weiß was Frauen beschäftigt und kennt die zahlreichen Herausforderungen und Hürden, die das Leben lehrt und der Alltag bietet. Fernab von Dogmen und klassischem Feminismus ermutigt sie in ihrer Arbeit vor allem Frauen in Kontakt mit ihrem wahren FrauSein zu kommen und mutig den eigenen Weg zu gehen. Sie weist den Weg in das Innere und erinnert zugleich daran, mit beiden Beinen auf der Erde zu stehen.



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