Die Sache mit der KRITIK 

(c)Fotolia #27543302 | Laurent Hamels
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Es brodelt noch immer in mir. Ich habe einer Freundin aus meinem Leben erzählt. Ihre Reaktion ärgert mich und ich erzähle meinem Mann davon: „Weißt du, sie hat ja überhaupt keine Ahnung und weiß überhaupt nicht Bescheid. Wie kann sie es sich erlauben, derart streng mit mir ins Gericht zu gehen.


Ich finde das schon anmaßend!“ Sein herzliches Lachen unterbricht meine Worte:


„Jaja, da wagt es jemand, dich zu kritisieren …“

„Waaas? Das ist doch keine Kritik, das ist doch ungerechtfertigtes und ungefragtes …“ 


„Du und Kritik, das kennen wir.“


So geht es eine Weile hin und her. Er scheint sich köstlich zu amüsieren und meine Emotionen kochen.

Was war geschehen? Es gibt eine Situation in meinem Leben, die mich schon

länger beschäftigt. Trotz all meines Bemühens findet sich keine Lösung.

 

Ich bin unsicher, probiere dieses und jenes – scheinbar erfolglos. Ich habe

meiner Freundin von meinen Sorgen erzählt, ihr mein Herz geöffnet. Sie

reagierte darauf ziemlich kompromisslos: „Das kannst du doch so nicht

tun …“ – „du musst“ – „das solltest du wissen“ – und „ich an deiner Stelle hätte

…“ Das Ganze ein Manifest, wie sie alles besser machen würde. Und als

ob das nicht schon genug wäre, ein abschließendes „Also von dir hätte ich

mir schon mehr erwartet“. Das saß.

 

Nun sitze ich hier, erzähle meinem Mann davon und er amüsiert sich darüber. Irgendwie kommt mir die ganze Situation kurios vor und ich ahne, dass

ich selbst es bin, die sich in diesem Ereignis emotional verstrickt. Stimmt es,

was mein Mann sagt, bin ich nicht kritikfähig? Hat meine Freundin recht,

dass mein Reagieren falsch war, dass ich die problematische Situation viel

souveräner hätte meistern müssen? „Aber eigentlich hat sie keine Ahnung!“,

denke ich. Noch kann ich davon nicht loslassen, richtig gehandelt

zu haben. Ich bleibe stur: „Das will ich so nicht hören, eigentlich ist es eine

Gemeinheit und das will ich mir so nicht bieten lassen!“ Ich beharre auf

meiner Wahrnehmung, fühle mich angegriffen und irgendwie verletzt.

 

Als Freundin hätte sie doch meine Situation sehen müssen. Wie kann sie das Gegenteil behaupten? Ich werde still. Und dann wieder: „Du kannst mit Kritik

nicht umgehen“, die Worte meines Mannes holen mich aus meiner

Selbstgewissheit. Ein Dominoeffekt tritt ein. Ich fühle mich schon wieder

kritisiert. „Du jetzt auch noch?“, schmettere ich ihm patzig entgegen. „Warum?“ Er scheint gar keine Ahnung zu haben, wovon ich spreche. „Ich erzähle dir von meiner Enttäuschung und nun hackst du auch noch auf meinen Gefühlen rum?“

 

Rückzug scheint angebracht. Raus aus Diskussion und Situation. Ich verlasse

den Raum, atme ein paar Mal tief durch und erlaube mir eine Sichtweise mit Abstand: Allerhand, was das Gespräch mit meiner Freundin aus meinem emotionalen Archiv hervorgeholt hat – alte Erfahrungen, schmerzvolle Situationen, ungeheilte Verletzungen, allesamt Prägungen aus meinem Leben.

 

Es scheint, als zeigt sich in der Stille nun etwas ganz anderes. Was war passiert? So oft in meinem Leben habe ich schon mein Bestes gegeben und ebenso oft ließ mich die Reaktion meines Umfelds den Schluss ziehen, es sei nicht genug. Ich bin nicht genug. Und es hat wieder geschmerzt. Bin ich am Ende genau deswegen in dieser Situation, die mich auffordert, Heilung zu erlauben? Es offenbart sich mir dazu noch ein Bild, ein Gedanke, der sich wie ein Schatz ankündigt. Das Thema Selbstwert. Denn wenn ich ein gesundes (im wahrsten Sinne des Wortes) Gefühl des Selbstwertes empfinde, dann schmerzt Kritik nicht, dann fühle ich mich durch die Reaktion des anderen nicht minderwertig. Was für eine innere Fährte tut sich da in mir gerade auf!


Ich dachte eigentlich, mein Selbstwertgefühl sei in Ordnung. Doch das

Leben lehrt mich einmal mehr, in die Tiefe meines Inneren zu gehen, dorthin,

wo ich nicht so verletzlich wie an der Oberfläche bin. Kritik ist letztlich nur die Meinung eines anderen, in diesem Fall zu einer Situationen meines Lebens. Wie ich diese Situation annehme, liegt an mir. Ich gebe den Worten des anderen die Bedeutung. Ich gebe ihnen die Kraft. Und nur ich entscheide über meine Reaktion. Meine Seele hat mir über meine Emotionen dieses Bild offenbart. Es darf Heilung für meinen Selbstwert geschehen. Und plötzlich gelingt es mir, die Situation anzunehmen. Es verändert sich die Energie. Und mit der Situation kommen auch die Sätze meiner Freundin bei mir an. Ich spüre Dankbarkeit.


Welch ein Geschenk Kritik doch sein kann!

 

der Text erschien zuerst im aktuellen Engelmagazin 4/2015

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Daniela Hutter schreibt, bloggt und hält Seminare zum Thema bewusste Lebensführung, es ist ihre Passion alte Tradition mit zeitgemässer Spiritualität zu verbinden. Mit Menschen zu sein bereitet ihr Freude und deshalb bietet sie auch persönliche Coachings an.

Als Autorin schreibt sie für verschiedene Zeitschriften. Aktuell arbeitet sie an ihrem nächsten Buch. Bereits erschienen sind die Bücher Lass deine Träume wahr werden (2013) und Den Tag mit Engeln beginnen (2008), sowie das Kartenset Energien der neuen Zeit(2013). Ihr neuestes Buch "Mach dein Leben hell" erscheint im August 2015.

mehr Info zu den Büchern >> hier

Welche Erfahrungen hast du mit Kritik gemacht?

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Kommentare: 5
  • #1

    Erika (Dienstag, 07 Juli 2015 09:00)

    Danke für diese wundervollen Gedanken. Den Lösungssatz "ich gebe den Worten des anderen die Bedeutung" finde ich besonders er-lösend. Have a nice day <3

  • #2

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