Angst vor Veränderung kennen wir alle. Aber kaum jemand fragt, was wirklich dahintersteckt. Denn meistens ist es nicht die Veränderung selbst, die uns erschreckt. Es ist auch nicht das Gefühl, das da anklopft. Es ist das, worauf dieses Gefühl zeigt. Und was wir dann tun müssten, wenn wir ehrlich hinschauen.
Was ist Angst vor Veränderung?
Angst vor Veränderung ist die innere Tendenz, Erkenntnisse, Gefühle oder Situationen zu vermeiden, die eine Veränderung des vertrauten Lebens nach sich ziehen könnten. Sie entsteht nicht aus persönlicher Schwäche, sondern aus einem tief verankerten Sicherheitsbedürfnis des Nervensystems: Vertrautes vermittelt Sicherheit, auch dann, wenn es uns nicht mehr guttut.
Die Angst vor Veränderung richtet sich selten gegen die Veränderung selbst, sondern gegen die Konsequenzen, die sie mit sich bringt: für Beziehungen, Rollen, das Bild, das andere von uns haben.
Die Büchse der Pandora und was sie mit uns zu tun hat
Pandora, die erste Frau aus der griechischen Mythologie, bekam von Zeus ein verschlossenes Gefäß mit auf den Weg. Mit dem strikten Hinweis: nicht öffnen. Und weil ihr die Götter zugleich Neugierde mitgegeben hatten, öffnete sie es natürlich. Heraus strömten Krankheit, Leid, Tod und alle erdenklichen Übel. Aus Schreck schlug Pandora den Deckel sofort wieder zu, und damit schloss sie auch das ein, was eigentlich für die Menschen bestimmt war: die Hoffnung.
Seither steht die Redewendung "Büchse der Pandora" als Warnung:
- Öffne nicht, was verschlossen ist.
- Schau nicht hin, was verborgen liegt.
Und genau das ist der Mechanismus, dem wir manchmal begegnen, wenn es um unsere eigenen Gefühle geht.
Gefühle zulassen und was uns wirklich daran hindert
Es gibt Menschen, die schlicht nicht fühlen können. Nicht weil sie es nicht wollen, sondern weil ein Trauma die Tür zum Fühlen sicher verschlossen hat. Das ist oft nicht so dramatisch, wie es klingt, und kann mit sanfter Begleitung geöffnet werden.
Dann aber gibt es eine viel größere Gruppe. Menschen, die durchaus fühlen könnten, aber es vermeiden Gefühle zuzulassen, weil sie ahnen, was diese Gefühle ihnen zeigen könnten. Und genau hier liegt der eigentliche Kern der Angst vor Veränderung.
Denn Gefühle sind keine bloßen Emotionen. Gefühle sind Information.
- Wenn ich meine Erschöpfung immer wieder übergehe, muss ich nicht hinterfragen, wie ich meinen Alltag gestalte.
- Wenn ich meine Wut wegdrücke, muss ich nicht nachsehen, warum meine Grenzen ständig überschritten werden.
- Wenn ich meine Sehnsucht ignoriere, muss ich mich nicht fragen, warum ich mich kleinhalte.
- Und wenn ich die Enttäuschung nicht fühle, muss ich mir nicht eingestehen, dass eine Beziehung vielleicht schon längst nicht mehr zu mir passt.
Das Risiko liegt also nicht im Fühlen. Das Risiko liegt in dem, was uns die Gefühle mitteilen.
Warum die Angst vor Veränderung so tief sitzt
Erkenntnis verändert. Selbst dann, wenn wir noch keine Entscheidung treffen, selbst wenn wir noch keine Schritte einleiten. Wer einmal wirklich erkannt hat, dass etwas nicht mehr stimmt, kann nicht mehr so tun, als wüsste er es nicht.
Und das ist der Punkt, an dem viele ausweichen.
Denn Veränderung hat immer Auswirkungen:
- Was, wenn ich meine Kolleginnen verliere, wenn ich mir eingestehe, dass dieser Job mich aushöhlt?
- Was, wenn die Freundschaft zerbricht, wenn ich aufhöre, die zu sein, die ich immer war?
- Was, wenn der Partner lieber hätte, dass alles so bleibt, wie es ist?
Wir sind weder naiv, noch dumm. Tief in uns drinnen wissen wir das alles. Aber wir tragen auch eine echte Loyalität in uns, zu unseren Partnern, unseren Familien, unseren Freundschaften, sogar zum Bild, das andere von uns haben.
Die Angst vor Veränderung ist also nicht Feigheit oder ein "nicht in die Umsetzung gehen". Sie ist oft auch Treue zu dem, was war. Und das verdient Mitgefühl, nicht Verurteilung.
Der Zwischenraum: weder verdrängen noch sofort handeln
Was viele übersehen: Es gibt einen Ort zwischen "ich schaue gar nicht hin" und "ich muss jetzt sofort alles verändern". Ich nenne ihn den Zwischenraum.
Nicht jede Erkenntnis verlangt eine sofortige Veränderung.
Das ist ein Satz, den ich immer wieder wiederhole, weil er so fundamental ist und gleichzeitig so selten gehört wird. Die Angst vor Veränderung speist sich oft aus genau diesem Missverständnis: dass Hinschauen automatisch sofortiges Handeln bedeutet.
Wir haben uns so sehr daran gewöhnt, Gefühle als Handlungsaufforderung zu interpretieren, als wäre jedes innere Aufflackern sofort ein Notfall, der gelöst werden muss. Das aber ist Yang-Denken: Aktionismus, Kontrolle über das, was eigentlich Raum braucht.
Der Zwischenraum bedeutet: Anerkennen, was wahr ist. Nicht mehr wegsehen, nicht mehr schönreden, nicht mehr ausweichen. Und gleichzeitig heißt es auch: Heute noch keine Entscheidung treffen müssen. Es geht nur darum, dass du dir nichts mehr vormachst.
Was die Büchse der Pandora wirklich lehrt
Die Geschichte endet nicht mit dem Unheil. Am Schluss bleibt etwas zurück, das im Gefäß eingeschlossen ist: die Hoffnung. Das ist die eigentliche Weisheit des Mythos. Wenn wir den Deckel öffnen, sind da nicht nur Schmerz und Erschrecken. Da ist auch Klarheit, Lebendigkeit und die Verbindung zu uns selbst, nach der wir uns meistens am meisten sehnen.
Gefühle zulassen bedeutet nicht, sich einer Lawine auszuliefern. Es bedeutet, bereit zu sein, sich selbst ehrlich zu begegnen.
Und das ist der Moment, in dem sich etwas verändert. Nicht im Außen, noch nicht. Aber in uns.
Von dort aus können Entscheidungen reifen. Von dort aus werden neue Wege sichtbar. Und von dort aus beginnt eine Verbindung zu dir selbst, die stabiler ist als jede Vermeidungsstrategie, die du vorher je aufgebaut hast.
Häufige Fragen zur Angst vor Veränderung
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Was ist der Unterschied zwischen Angst vor Gefühlen und Angst vor Veränderung?
Wir fürchten uns selten vor dem Gefühl selbst. Was uns wirklich Angst macht, ist die Information, die das Gefühl trägt. Wut zeigt, wo Grenzen überschritten werden. Erschöpfung zeigt, was nicht mehr trägt. Sehnsucht zeigt, was fehlt. Das Fühlen ist nicht das Risiko. Das Risiko ist die Erkenntnis, die folgt, und was wir dann damit anfangen müssten.
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Muss ich sofort handeln, wenn ich meine Gefühle zulasse? Nein. Das ist eines der häufigsten Missverständnisse. Nicht jede Erkenntnis verlangt eine sofortige Veränderung. Es
gibt einen wertvollen Zwischenraum zwischen Verdrängen und Aktionismus: anerkennen, was wahr ist, ohne heute schon eine Entscheidung treffen zu müssen. Dieser Raum ist keine Schwäche, er ist
der Anfang echter Veränderung.
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Warum fällt es Frauen besonders schwer, Gefühle zuzulassen, die Veränderung anzeigen? Weil Frauen oft eine ausgeprägte Loyalität gegenüber ihrem Umfeld tragen: zur
Partnerschaft, zur Familie, zu den Rollen, die sie erfüllen, sogar zum Bild, das andere von ihnen haben. Eine innere Erkenntnis in die Tat umzusetzen bedeutet oft, dieses Gleichgewicht zu
erschüttern. Das ist weder Schwäche noch Versagen, das ist menschlich. Und es verdient Mitgefühl statt Verurteilung.
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Wie beginnt man damit, die Angst vor Veränderung loszulassen?
Eben nicht unbedingt mit einem großen Schritt, sondern mit Ehrlichkeit zu sich selbst. Indem wir aufhören, uns etwas vorzumachen und uns etwas schönzureden, das schon längst nicht mehr stimmt. Es muß heute noch nichts entschieden werden. Aber in dem Moment, in dem du bereit bist, dir selbst ehrlich zu begegnen, beginnt sich etwas zu verändern: Und zwar in dir und von dort aus öffnen sich neue Wege.
Eine Einladung
Vielleicht weißt du schon längst, was anklopft. Vielleicht kennst du das Gefühl, die Sehnsucht, die Erschöpfung, den Unmut. Und vielleicht hältst du die Tür zu, weil die Angst vor Veränderung größer wirkt als die Erschöpfung durch das Wegsehen.
Du musst heute nichts verändern.
Aber vielleicht ist dieser Moment der richtige, um aufzuhören wegzulaufen. Die Büchse zu öffnen ist nicht der Tag, an dem alles auseinanderbricht. Es ist der Tag, an dem du aufhörst, eine Wahrheit zu meiden, die du schon längst kennst.
Und Verbindung zu dir selbst beginnt nicht dann, wenn du alles verändert hast. Sie beginnt in dem Augenblick, in dem du bereit bist, dir selbst ehrlich zu begegnen.
Diese Folge ist Teil einer Reihe über Gefühle, Angst vor Veränderung und innere Wahrheit im Yin-Magazin Podcast Folge 324 handelte von Wut. Hör gern dort rein, wenn du das Thema weiterverfolgen möchtest.
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Daniela Hutter
schreibt, bloggt und hält Seminare zum Thema bewusste Lebensführung. Es ist ihre Passion, alte Tradition mit zeitgemässer Spiritualität zu verbinden. Mit Menschen zu sein bereitet ihr Freude und deshalb bietet sie auch persönliche Coachings an.
Als Autorin schreibt Daniela Hutter für verschiedene Zeitschriften. Aktuell arbeitet sie an ihrem nächsten Buch. Bereits erschienen sind die Bücher „Lass deine Träume wahr werden“ (2013) und „Den Tag mit Engeln beginnen“ (2008), „Mach dein Leben hell“ (2015), "Das Yin-Prinzip" (August 2016) sowie das Kartenset „Energien der neuen Zeit“ (2013) und "Karten der Weiblichkeit" (2017).
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Daniela Hutter weiß was Frauen beschäftigt und kennt die zahlreichen Herausforderungen und Hürden, die das Leben lehrt und der Alltag bietet. Fernab von Dogmen und klassischem Feminismus ermutigt sie in ihrer Arbeit vor allem Frauen in Kontakt mit ihrem wahren FrauSein zu kommen und mutig den eigenen Weg zu gehen. Sie weist den Weg in das Innere und erinnert zugleich daran, mit beiden Beinen auf der Erde zu stehen.



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