Toxische Mutter-Tochter-Beziehung: Was wirklich weitergegeben wird und wie du die Linie durchbrichst
Es gibt eine Frage, die sich viele Frauen irgendwann stellen, unausgesprochen, oft erst nach Jahren:
- Warum bin ich so, wie ich bin?
- Warum erschöpfe ich mich für andere, bevor ich an mich denke?
- Warum ist Lob schwer anzunehmen?
- Warum fühlt sich Selbstbestimmung manchmal wie ein Verrat an?
Die Antworten liegen selten dort, wo wir zuerst suchen. Sie liegen oft viel früher, in der ersten Beziehung, die wir je hatten.
Es sind nicht die herausragenden Ereignisse, die verursach(t)en, was Psychologinnen heute als toxische Mutter-Tochter-Beziehung beschreiben.
Es beginnt einfachmit dem, was täglich gezeigt wurde, vorgelebt wurde von der Frau, die uns das erste Bild davon gegeben hat, was es bedeutet, eine Frau zu sein: die Mutter.
Die erste Lehrerin, ob sie es wollte oder nicht
Wenn wir von einer toxischen Mutter-Tochter-Beziehung sprechen, denken viele sofort an Extremszenarien: Missbrauch, Vernachlässigung, Lieblosigkeit, Distanz. Und vielleicht sogar haben wir es als "Grausamkeit" empfunden - ja, das gibt es auch.
Aber die viel häufigere, subtilere Form, die viele erleb(t)en, sieht anders aus.
Nämlich so: Eine Mutter, die sich selbst nie wirklich erlaubt hat und die funktioniert hat, sich aufgeopfert hat, sich angepasst hat, und genau das "als Liebe" weitergegeben hat. Die (sich
und ihr Umfeld) kontrolliert hat, weil sie selbst nie Halt hatte und ihn so nur (scheinbar) (unbewusst) finden konnte. Die kritisiert hat, weil sie selbst nie Anerkennung kannte. Die
schweigend gelitten hat und damit gezeigt hat: So lebt man eben, so macht man das als Frau.
Das ist keine Entschuldigung für das, was war. Es ist eine Erklärung dafür, wie es entstanden ist und damit wir selber die Geschichter der eigenen (ungesunden) Mutter-Tochter-Beziehung besser verstehen können. So können wir erkennen, wo Ursachen für unsere eigenen Muster liegen.
Was eine toxische Mutter-Tochter-Beziehung wirklich hinterlässt
Die sichtbaren Muster kennen viele:
- das ewige Nicht-gut-genug-Sein,
- die Unfähigkeit, Grenzen zu setzen,
- oder das Gegenteil davon, das starre Abschotten.
- Die Suche nach Bestätigung von außen.
- Das schlechte Gewissen, wenn man die eigenen Bedürfnisse ernst nimmt.
Was weniger sichtbar ist, liegt allerdings tiefer:
Eine Mutter, die ihre Tochter nicht wirklich sieht, als eigenständiges Wesen mit eigenen Wünschen und eigenem Tempo, gibt ihr etwas mit, das tief sitzt: die Überzeugung, dass Liebe an Bedingungen geknüpft ist, ans Funktionieren, ans Anpassen, ans Erwartungen erfüllen, ans Nicht-zu-viel-Brauchen. "Leisten um geliebt zu werden" "SoSein um gesehen zu werden".
Daraus entstehen Erschöpfungsmuster, die auf den ersten Blick gar nichts mit der Mutter zu tun haben. Beziehungen, in denen man wieder gibt und gibt. Körper, die irgendwann streiken. Ein inneres Leben, das immer lauter fragt: Wann bin ich dran?
Im Yin-Prinzip verstehen wir darunter ein ererbtes Muster, eine Prägung, das Erbe einer langen Linie von Frauen, die nicht anders konnten, als das weiterzugeben, was ihnen selbst mitgegeben wurde.
Die Linie sehen, nicht nur die Mutter
Das ist vielleicht der wichtigste Schritt, und gleichzeitig der schwerste: die Mutter nicht nur als Einzelperson zu sehen, sondern als Teil einer Linie.
Deine Mutter hatte auch eine Mutter, die auch eine Mutter hatte. Und keine von ihnen hat in einer eigenen Blase gelebt. Sie haben gelebt in einer Welt, die Weiblichkeit noch viel mehr
systematisch entwertet hat, als Gefühl, als Körper, als Wissen, als Rhythmus.
Frauen, die sich selbst klein machten, weil Größe nicht vorgesehen war, weil es als "unanständig" galt "laut und anspruchsvoll zu sein". Die dann aber Kontrolle ausübten, weil es das
Einzige war, worüber sie verfügten. Die ihre Töchter (unbewusst?) ebenso an eine Welt angepasst haben, weil sie selber nie wirklich einen eigenen Platz einnehmen durften.
Das verändert die Frage. Nicht mehr:
- Was hat meine Mutter mir angetan?
- Sondern: Was hat sie weitergegeben, weil sie es selbst getragen hat?
Und dann, noch eine Stufe tiefer: Was davon trage ich heute noch?
Und es gibt eine Verbindung auf biologischer Ebene, die wir nicht unterschätzen dürfen:
Die Eizelle, aus der du geboren wurdest, war schon im Körper deiner Mutter angelegt, als sie geboren wurde. Bedeutet, sie ist entstanden, während deine Mutter als Embryo im Bauch deiner
Großmutter war. Auf diese Weise sind wir Frauen in der weiblichen Linie in einer ganz besonderen Verbindung - oftmals gefangen, v.a. dann es es uns unbewusst ist.
Beide Seiten des Spiegels
Vielleicht liest du diesen Artikel als Tochter. Als Frau, die gerade versteht, warum bestimmte Dinge in ihrem Leben so sind, wie sie sind, und die in der toxischen Mutter-Tochter-Beziehung endlich einen Namen findet für etwas, das sie schon lange spürt.
Vielleicht liest du ihn als Mutter. Als Frau, die selbst Kinder hat und die manchmal erschrickt, wenn sie sich in einem Satz wiederhört, den sie von früher kennt. Die eigentlich nicht weitergeben will, was ihr selbst wehgetan hat - und es trotzdem tut.
Beide Positionen verdienen Aufmerksamkeit. Und für beide gilt dasselbe: Der erste Schritt ist kein Heilungsversprechen. Er ist das ruhige Hinschauen auf das, was ist, ohne es sofort auflösen oder erklären zu müssen.
Das klingt unspektakulär. In der Praxis und fürs Leben dann ist es alles andere als das.
Was Yin-Bewusstsein hier bedeutet
Im Yin-Prinzip arbeiten wir nicht mit Schuld, weder mit der Schuld der Mutter noch mit der eigenen, als Tochter oder als Mutter. Wir arbeiten mit dem, was sich über Generationen eingegraben hat, und mit der Frage, wo ist
die Ursache und wie kann ich heute für meine eigene Entscheidung und meine eigene Ausrichtung einstehen.
Denn irgendwo gibt es diesen Punkt: das Erkennen eines Musters als Muster, nicht als das war unserer Wahrheit entspricht. Die Möglichkeit zu sagen, das gehörte meiner
Mutter, und ihrer Mutter davor, und ich muss es nicht weiterleben. Das ist kein einmaliger Akt, vielmehr ist es zumeist ein Prozess, manchmal lang, manchmal schmerzhaft. Doch genau
das ist die Basis für ein gesundes, gestärktes Leben in der eigenen Weiblichkeit.
Wenn Frauen in der Yin-Akademie beginnen, ihre eigene Geschichte anzuschauen, begegnen sie oft zuerst der Mutter, denn sie ist die Grundlage für die Haltung zum eigenen Frausein. Eine toxische Mutter-Tochter-Beziehung zeigt sich dort nicht immer sofort als solche, aber sie ist spürbar: in den Mustern, die sich wiederholen, oft kaum wahrgenommen, aber wirksam bis in den heutigen Tag und sich in der Gestaltung des eigenen Lebens und den Entscheidungen, die man fällt, widerfindet.
Noch eine Frage ;-)
- Was hat deine Mutter dir über Weiblichkeit beigebracht, nicht mit Worten, sondern mit ihrem Leben?
- Und was davon möchtest du behalten, was möchtest du loslassen?
Verstehe diese Fragen als Einladung und Türöffner für dein eigenen kraftvolle Frauenbild und dein eigenes selbstwirksames FrauSein.
Wenn du spürst, dass du diese Fragen nicht alleine bewegen willst, das Theme in der Tiefe mit dir resoniert >> die Yin-Akademie ist der Rahmen, in dem genau das Raum
bekommt.
Nicht als Therapie, sondern als Weg der Erkenntnis, als Yin-Bewusstsein und bewusstes Arbeiten an den Mustern, die dein Leben formen.
(c) copyright, auch auszugsweise ausschließlich unter der vorgegebenen vollständigen Quellenangabe
Fotocredit: joerghaeken; canva
Daniela Hutter
schreibt, bloggt und hält Seminare zum Thema bewusste Lebensführung. Es ist ihre Passion, alte Tradition mit zeitgemässer Spiritualität zu verbinden. Mit Menschen zu sein bereitet ihr Freude und deshalb bietet sie auch persönliche Coachings an.
Als Autorin schreibt Daniela Hutter für verschiedene Zeitschriften. Aktuell arbeitet sie an ihrem nächsten Buch. Bereits erschienen sind die Bücher „Lass deine Träume wahr werden“ (2013) und „Den Tag mit Engeln beginnen“ (2008), „Mach dein Leben hell“ (2015), "Das Yin-Prinzip" (August 2016) sowie das Kartenset „Energien der neuen Zeit“ (2013) und "Karten der Weiblichkeit" (2017).
» Mehr Info zu Daniela Hutters Büchern
Impulsgeberin für moderne Frauen
Daniela Hutter weiß was Frauen beschäftigt und kennt die zahlreichen Herausforderungen und Hürden, die das Leben lehrt und der Alltag bietet. Fernab von Dogmen und klassischem Feminismus ermutigt sie in ihrer Arbeit vor allem Frauen in Kontakt mit ihrem wahren FrauSein zu kommen und mutig den eigenen Weg zu gehen. Sie weist den Weg in das Innere und erinnert zugleich daran, mit beiden Beinen auf der Erde zu stehen.



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