Unsichtbar ab 50? Was die Postmenopause wirklich mit uns macht

Frau in der Postmenopause: selbstbewusste ältere Frau mit grauen Haaren und Brille – Unsichtbarkeit ab 50 und Älterwerden als Frau

Unsichtbarkeit in der Postmenopause: ein Phänomen, das wir benennen müssen

Unsichtbarkeit in der Postmenopause beginnt oft ganz konkret: Du gibst in eine Bilddatenbank „Frau 50 plus" ein und was erscheint, sind Frauen von maximal 35. Oder das andere Extrem, eine steinalte Omi aus einem anderen Jahrhundert.

 

Du scrollst durch Medienberichte über Frauen, die etwas bewegen, und findest kaum eine dabei, die über 55 ist. Du wirst zu Veranstaltungen nicht eingeladen, ohne dass jemand erklärt warum.

Das passiert nicht nur im Außen. Es geschieht auch in dem Moment, wo du dich fragst, ob das wirklich etwas mit dir zu tun hat.

Was Postmenopause bedeutet, und was sie nicht bedeutet

Postmenopause bezeichnet die Zeit ab zwölf Monaten nach der letzten Menstruation. Die Hormone beruhigen sich, der Körper findet eine neue Balance. Was sich dabei verändert, ist nicht nur körperlich, sondern tiefer im Verhältnis zu uns selbst, zur Gesellschaft, zu dem, was wir von uns noch erwarten dürfen.

 

Das Missverständnis beginnt genau hier. Denn Postmenopause wird immer noch zu oft mit Rückzug gleichgesetzt, mit dem Ende von Attraktivität, Relevanz, Sichtbarkeit. Dabei ist das, was hier beginnt, aus der Sicht des Yin-Prinzips kein Verlust, sondern ein Neuboden.

Gesellschaft entzieht älteren Frauen die Bühne, und das ist strukturell

Frauen ab 50, ab 60 werden in öffentlichen Räumen systematisch weniger eingeladen, weniger gezeigt, weniger gefragt. Eine Gerontologin bringt es auf den Punkt: Frauen werden nicht einfach unsichtbar im Alter. Wir lassen sie als Gesellschaft verschwinden.

 

Solange wir glauben, diese Unsichtbarkeit liegt an uns persönlich, suchen wir die Lösung am falschen Ort. Es ist ein strukturelles Phänomen, kein persönliches Versagen. Und wenn wir das einmal klar gesehen haben, ändert sich die Frage.

 

Nicht mehr: Was stimmt nicht mit mir?

Sondern: Was tue ich jetzt damit?

Die subtilere Falle: wo Frauen sich selbst unsichtbar machen

Viele Frauen rutschen in der Postmenopause ganz unbewusst zurück in die alte Rolle. Sie werden wieder zur emotionalen Stütze des Partners, managen die Krisen der erwachsenen Kinder, übernehmen die Pflege der Eltern, sind für die Enkelkinder da. Das fühlt sich richtig an, weil es zutiefst weiblich ist, Felder zu halten und zu nähren.

 

Aber wenn diese Fürsorge unbewusst geschieht, wenn sie aus alten Mustern heraus passiert statt aus freier Wahl, dann ist sie eine Falle. Dann lebt man, was ich das patriarchale Missverständnis des Yin nenne: Aufopferung statt Stärke. Wer dauerhaft das System der anderen stabilisiert, macht sich selbst unsichtbar, von innen. Und das erzeugt auf Dauer jene leise Bitterkeit, die wir von älteren Frauen kennen. Die kommt nicht aus dem Nichts.

Was TCM und Taoismus über diese Lebensphase sagen

In TCM und Taoismus ist diese Sicht auf die Postmenopause seit Jahrhunderten bekannt: Wenn die zyklischen Hormone sich zurückziehen und das Blut nicht mehr monatlich abgegeben wird, steht die Lebensenergie der Frau nun vollständig für ihre eigene geistige und spirituelle Entwicklung zur Verfügung.

 

Die Postmenopause ist aus dieser Sicht kein Mangel, sie ist ein fruchtbarer Neuboden des Yin. Was das konkret bedeutet? Dass jetzt die Energie da ist, das Archiv der unerfüllten Träume wieder zu öffnen.

  • Was haben wir mit 20, 30 oder 40 geparkt, weil das Leben dazwischen kam?
  • Welche Wünsche haben wir jahrzehntelang aufgeschoben, für die Kinder, den Job, die Beziehung?

    Jetzt sind diese Zwecke erfüllt. Jetzt darf die Frage anders lauten.

Selbstverwirklichung in der Postmenopause: wo fange ich an?

Viele Frauen sagen an dieser Stelle: Ich weiß gar nicht, womit ich mich zeigen möchte. Das ist die logische Folge von Jahrzehnten, in denen die eigenen Wünsche immer hintenanstanden. Der erste Schritt ist kein großer Plan, sondern Aufmerksamkeit für kleine Signale. Wo taucht ein inneres „eigentlich würde ich gern" auf? Wo spürst du noch Neugier, Sehnsucht, einen Funken Lebendigkeit? Das sind keine Zufälle, das ist das Yin, das sich meldet.

 

Selbstverwirklichung in dieser Lebensphase muss nicht mehr produktiv sein und kein Geld einbringen. Aber sie muss die Seele nähren, aus dem Inneren heraus, nicht weil sie im Außen nützlich ist.

Die neue Sichtbarkeit kommt nicht von außen

Wenn eine Frau sich selbst unsichtbar macht, kann die Gesellschaft sie nicht in die Sichtbarkeit holen. Als Frau, die aus dem Yin-Bewusstsein lebt, geht es nicht mehr darum, Aufmerksamkeit oder Bestätigung von außen zu holen.

 

Es geht darum, etwas zu geben: Weisheit, Raum, Erfahrung, jene besondere Präsenz der Frau, die sich selbst kennt. Das ist keine Kompensation, sondern eine völlig neue Form der Sichtbarkeit.

 

Das Yin reift. Und diese Reife ist kein Ende, sondern genau das, was jetzt beginnt.


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Daniela Hutter

schreibt, bloggt und hält Seminare zum Thema bewusste Lebensführung. Es ist ihre Passion, alte Tradition mit zeitgemässer Spiritualität zu verbinden. Mit Menschen zu sein bereitet ihr Freude und deshalb bietet sie auch persönliche Coachings an.

 

Als Autorin schreibt Daniela Hutter für verschiedene Zeitschriften. Aktuell arbeitet sie an ihrem nächsten Buch. Bereits erschienen sind die Bücher „Lass deine Träume wahr werden“ (2013) und „Den Tag mit Engeln beginnen“ (2008), „Mach dein Leben hell“ (2015), "Das Yin-Prinzip" (August 2016) sowie das Kartenset „Energien der neuen Zeit“ (2013) und "Karten der Weiblichkeit" (2017).

 

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Impulsgeberin für moderne Frauen

Daniela Hutter weiß was Frauen beschäftigt und kennt die zahlreichen Herausforderungen und Hürden, die das Leben lehrt und der Alltag bietet. Fernab von Dogmen und klassischem Feminismus ermutigt sie in ihrer Arbeit vor allem Frauen in Kontakt mit ihrem wahren FrauSein zu kommen und mutig den eigenen Weg zu gehen. Sie weist den Weg in das Innere und erinnert zugleich daran, mit beiden Beinen auf der Erde zu stehen.



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