Wechseljahre & Perimenopause: Was dein Körper dir wirklich sagen will

Wechseljahre als Befreiungsjahre Interview mit Silja Mahlow

Wechseljahre und Perimenopause beginnen selten mit einer Hitzewelle. Meistens beginnen sie leiser, mit dem Gefühl, von sich selbst abgerutscht zu sein, mit Schlaf, der nicht mehr erholt, mit Stimmungen, die sich anfühlen wie Wetter, das man nicht bestellt hat.

 

Silja Mahlow, Coach, Yogalehrerin und Autorin des Buches Wechseljahre - Befreiungsjahre, erinnert sich genau an einen solchen Moment: Sie saß mit ihrem Mann auf dem Balkon, er erzählte irgendetwas, und plötzlich war da der Gedanke, dass das alles doch keinen Sinn ergebe.

 

Er schaute sie an und sagte ruhig: Für mich ergibt es Sinn. Sie ging verstört ins Bett und ahnte nicht, dass das erst der Anfang war. Im Yin Magazin Podcast haben wir miteinander gesprochen, über das, was Wechseljahre wirklich bedeuten, und darüber, warum der Körper in dieser Zeit lauter spricht, als wir meistens bereit sind zu hören.

Wenn plötzlich alles anders ist, und niemand einen Namen dafür hat

Viele Frauen erleben die ersten Jahre der Perimenopause als eine Art stilles Chaos.

 

Schlafstörungen, Erschöpfung, Stimmungsschwankungen: Veränderungen, die sich kaum einordnen lassen, weil die hormonellen Umstellungen schleichend beginnen und sich von außen kaum benennen lassen. Ich erinnere mich selbst daran, wie ich damals jedem Wehwehchen nachgejagt bin, dem Rücken, den Gelenken, dem Nervensystem, ohne dass irgendjemand das große Bild gesehen hätte. Kein Gynäkologe, keine Hausärztin hat in diesen Jahren auch nur angedeutet, dass all das zusammenhängen könnte.

 

Dabei wissen laut aktuellen Studien nur 18 Prozent der Frauen, die noch nicht in den Wechseljahren sind, überhaupt, was die Perimenopause ist. Das erklärt die Ratlosigkeit, die Scham, das Gefühl, man würde übertreiben, und es erklärt, warum so viele Frauen jahrelang Symptome behandeln lassen, ohne je die eigentliche Ursache zu verstehen.

Perimenopause: der unterschätzte Anfang

Die Perimenopause beginnt im Durchschnitt Mitte 40, kann aber schon früher einsetzen, und dauert bei vielen Frauen deutlich länger als erwartet.

 

Unregelmäßiger Zyklus, Schlafprobleme, innere Unruhe, emotionale Sensibilität: Das klingt nach vielem, aber nicht nach Wechseljahren, weil wir gelernt haben, diese Phase mit dem Ende der Periode gleichzusetzen. Der Übergang beginnt aber weit früher, manchmal Jahre bevor die letzte Menstruation kommt, und er ist nicht das Ende von etwas, sondern das Loslassen von etwas, das bisher Halt gegeben hat, hormonell, identitär, manchmal beides gleichzeitig.

Was Hitzewallungen, Haut und Schlaf wirklich kommunizieren

Silja hat anderthalb Jahre mit großflächiger Neurodermitis gelebt, überall am Körper, schlaflos, erschöpft. Die Schulmedizin behandelte die Symptome mit Kortison, das kurzfristig half und dessen Wirkung dann doch verebbte.

 

Den Schlüssel fand sie woanders: Eine TCM-Beraterin erklärte ihr, dass Haut in der Traditionellen Chinesischen Medizin zum Element Metall gehört, und Metall zur Emotion Traurigkeit. Silja hatte nie gewusst, dass sie traurig war. Sie begann eine Atempraxis, und von einem Tag auf den anderen weinte sie bei jeder Einheit tief und anhaltend, ohne zu wissen, worüber. Danach heilte die Haut ab, ganz ohne Creme.

 

Das klingt unwahrscheinlich, und gleichzeitig kennen viele Frauen genau dieses Muster: Der Körper spricht laut, solange wir nicht hören. Aus Sicht der TCM sind die Wechseljahre eng mit der Essenz der Nieren verbunden, dem sogenannten Jing, das mit zunehmendem Alter natürlicherweise abnimmt. Was wir als Symptom erleben, ist aus dieser Perspektive kein Fehler im System, sondern das System selbst, das sich neu ausrichtet und dabei Aufmerksamkeit einfordert.

TCM und die Sprache des Körpers: der zweite Frühling

Nach ihrer Erfahrung mit der Haut begann Silja, ein Tagebuch ihrer Hitzewellen zu führen, nicht um sie loszuwerden, sondern um zu verstehen, wann sie kamen und was ihnen voranging. So fand sie heraus, dass Hitzewallungen bei ihr besonders dann auftauchten, wenn ihr Nervensystem aufgewühlt war. Sie begann Yoga Nidra zu praktizieren, fand Atemarbeit als Weg zu sich selbst, und entwickelte nach und nach eine andere Art zuzuhören: dem eigenen Körper.

 

In der TCM werden die Wechseljahre als „zweiter Frühling" bezeichnet. Die Energie, die bisher jeden Monat für den Zyklus aufgewendet wurde, steht nun für das eigene Leben zur Verfügung, wenn man lernt, sie zu lenken. Den Drachen reiten nennt es die TCM-Tradition, die eigene Kraft zu nehmen und zu führen, statt von ihr getrieben zu werden. Das ist mehr als eine schöne Metapher: Es ist eine sehr konkrete Einladung, die eigenen Symptome nicht zu bekämpfen, sondern zu befragen.

Warum der sinkende Östrogenspiegel eine gute Nachricht sein kann

Es gibt eine Lesart der Wechseljahre, die selten erzählt wird:  Östrogen unterstützt uns biologisch darin, für andere da zu sein; es ist ein Hormon, das Anpassung und Fürsorge begünstigt. Wenn es sinkt, werden viele Frauen „ungemütlicher": Sie bestehen mehr auf sich selbst und haben weniger Geduld damit, sich zu verbiegen. In unserer Gesellschaft gilt das als Reizbarkeit, als hormonelle Dysbalance, die behandelt werden muss.

 

Dabei könnte es der Moment sein, in dem eine Frau aufhört, sich gefällig zu machen, und anfängt, sich selbst zu gehören.

 

Das schlechte Gewissen, das viele Frauen dabei empfinden, ist kein Zeichen dafür, dass etwas falsch läuft, sondern das Echo alter Prägungen. Ich erinnere mich an die Mutter einer Freundin, die mir mit 15 Jahren nebenbei erklärte, sie freue sich auf die Wechseljahre, weil dann das Ganze endlich vorbei sei. Weil der Körper seinen Job getan habe. Ausgedient.

 

Dieses Bild sitzt tief in vielen von uns, auch wenn wir glauben, längst darüber hinaus zu sein.

Befreiung beginnt dort, wo die Erklärungen aufhören

Was, wenn die Wechseljahre keine Phase sind, die man durchstehen muss, sondern eine, in der man sich endlich erlauben darf, die zu werden, die man schon immer war?

 

Silja macht heute einmal pro Woche Ballett in einem Ü50-Kurs, gemeinsam mit einer Gruppe Frauen zwischen 40 und 60, die alle Anfängerinnen sind und alle Spaß daran haben, etwas Neues zu lernen. Sie nimmt Klavierunterricht und Gesangsstunden, nicht weil sie eine Karriere plant, sondern weil es ihr zeigt, dass sie nie fertig ist. Dieses Gefühl, nie fertig zu sein, ist in dieser Lebensphase keine Bedrohung mehr, sondern ein Versprechen.

 

Die eigentliche Botschaft dieser Zeit ist kein Rückzug, sondern ein Aufblühen, keine zweite Reihe, sondern eine zweite Spielhälfte, die man bewusst und auf eigenen Regeln spielt. Silja hat dafür am Ende unseres Gesprächs ein Bild gefunden, das bleibt: Mohn im Frühling, der plötzlich da ist, bunt, unvermittelt, vollständig er selbst.

 

Trau dich aufzuploppen.

 

Mehr über Silja Mahlow

Silja Mahlow auf Instagramm 


Siljas Buch „Wechseljahre - Befreiungsjahre" ist ein spiritueller Leitfaden durch die Mitte des Lebens, der weder Ratgeber noch Selbsthilfebuch im klassischen Sinne ist.

 

Er begleitet Frauen durch die Wechseljahre entlang der sieben Chakren, mit Praxisteilen, persönlichen Erfahrungen und dem roten Faden, dass diese Phase keine Krise ist, sondern eine Einladung, sich selbst neu zu begegnen.

 

Erschienen im März 2026 bei Nymphenburger/Kosmos

 

Wechseljahre - Befreiungsjahre 


Höre das ganze Gespräch

Diesen Artikel habe ich aus unserem Podcast-Gespräch zusammengefasst, aber er gibt nicht alles wieder. Silja und ich erzählen auch von unserer eigenen Geschichte. Ich sage: Wert, hier reinzuhören. 

verfügbar auf itunes, spotify, soundcloud ... oder hier:

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Daniela Hutter

schreibt, bloggt und hält Seminare zum Thema bewusste Lebensführung. Es ist ihre Passion, alte Tradition mit zeitgemässer Spiritualität zu verbinden. Mit Menschen zu sein bereitet ihr Freude und deshalb bietet sie auch persönliche Coachings an.

 

Als Autorin schreibt Daniela Hutter für verschiedene Zeitschriften. Aktuell arbeitet sie an ihrem nächsten Buch. Bereits erschienen sind die Bücher „Lass deine Träume wahr werden“ (2013) und „Den Tag mit Engeln beginnen“ (2008), „Mach dein Leben hell“ (2015), "Das Yin-Prinzip" (August 2016) sowie das Kartenset „Energien der neuen Zeit“ (2013) und "Karten der Weiblichkeit" (2017).

 

» Mehr Info zu Daniela Hutters Büchern 

 

Impulsgeberin für moderne Frauen

Daniela Hutter weiß was Frauen beschäftigt und kennt die zahlreichen Herausforderungen und Hürden, die das Leben lehrt und der Alltag bietet. Fernab von Dogmen und klassischem Feminismus ermutigt sie in ihrer Arbeit vor allem Frauen in Kontakt mit ihrem wahren FrauSein zu kommen und mutig den eigenen Weg zu gehen. Sie weist den Weg in das Innere und erinnert zugleich daran, mit beiden Beinen auf der Erde zu stehen.



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