Im Karussel der Angst gefangen

Daniela Hutter bloggt über Themen von Weiblichkeit, Frausein, Partnerschaft, Beziehung, Yin-Prinzip

 

Ich sitze beim Zahnarzt und warte. Ich spüre Druck in der Magengegend. Das flaue Gefühl breitet sich aus. Das lässt mich innehalten. Denn ich kenne mich eigentlich als jemand, der keine Angst vor dem Zahnarzt hat. Ich hatte auch noch nie ein ungutes Erlebnis, und der Gedanke an den Zahnarzt lässt mich normalerweise ganz entspannt sein – doch jetzt ist das anders.

 

Was geht da vor? Warum dieser plötzliche, ungewohnte Angst-Reflex? Ich forsche in meinem Inneren, öffne mich meinem Wahrnehmen. Und schon zeigt sich ein neues Bild: ein Brief vom Finanzamt. Den Brief gibt es nur in meinem Kopf, und trotzdem: Druck in der Magengegend und dieses flaues Gefühl.

 

Unmittelbar danach bekomme ich ein weiteres inneres Bild: Korfu, ein Jahr zurück. Mutige Frauen kletterten auf einen Klippenfelsen nach oben und sprangen aus mehreren Metern Höhe, scheinbar furchtlos, ins Meer. Noch im Wasser, kaum aufgetaucht, lachten sie und hatten Spaß, wollten den Sprung sogleich wiederholen. Auf dem Weg nach oben mussten die Klippen-Springerinnen an einer Gruppe Frauen vorbei, die vor dem Sprung zurückgeschreckt waren. Aus purer Angst. Und diese Angst übertrug sich. Oben auf der Klippe wurden dieselben Frauen, die eben noch ohne zu zögern den Sprung gewagt hatten, unschlüssig, zögerten, verzichteten schließlich auf einen raschen zweiten Sprung.

Es existiert ein gemeinsames Feld der Angst

 

Sie hatten ein „Feld der Angst” durchquert und wurden von dieser Angst angesteckt ...

 

Dieses innere Bild schenkte mir Klarheit im Warteraum des Zahnarztes. Es ist nicht meine Angst, die sich in mir ausbreitete, es ist die Angst, die in diesem Raum „hängt“. Ähnlich die Botschaft zum Finanzamts-Brief: Ich hatte bislang in keinster Weise schlechte Erfahrungen mit dem Finanzamt. Dennoch, kommt ein Brief mit entsprechendem Absender, entsteht Angst: Angst vor schlechten Nachrichten. Und ich erkenne – über den Brief gelange ich in Kontakt mit den Geschichten, die ich über Finanzamt gehört habe. Alles ist Energie und Energie hat in sich keinen Anfang und kein Ende. Über ein kollektives Feld bin ich mit allem verbunden.

 

Wir alle haben Ängste, jeder hat Ängste. Ängste bilden die Basis aller (negativen) Emotionen, oder umgekehrt: Alle (negativen) Emotionen entspringen der Angst. Für mich ist die spürbare Angst ein Zeichen meines Biofeed- backsystems hin zur Seele. Sie will mir was aufzeigen, sie will meiner EntWicklung dienen.

Doch allem voran gilt die Frage: „Ist es meine Angst?“ – und hier im Wartezimmer lautet die Antwort ganz ein- deutig: „Nein!


Im Karussel der Angst gefangen ..

Menschen, die ständig in einem Karussel ihrer Angst gefangen sind, verlieren unentwegt an Energie.

Ängste sind nämlich jene Emotionen, die am meisten Energie verbrauchen. Wenn wir uns ihnen nicht zuwenden, dann erschöpfen wir unsere Reserven, die Batterien unseres Körpers werden leer.

 

Gefühle stehen selten alleine da. Zumeist gesellen sich ihre „Freunde und Familien“ hinzu. Im Umfeld von Angst finden wir also oft auch ihre Unterstützer wie fehlendes oder wenig Selbstvertrauen, Misstrauen, Unsicherheit.

 

Und umgekehrt: Nehmen wir einen dieser Gefühlszustände wahr, dann liegt zumeist die Grundursache in der Angst, und es kann gut sein, dass wir sie vor uns selbst bedeckt halten.

Unterstützung gegen die Angst

Wenn du Angst spürst, dann beginne „mir ihr zu atmen“ und lasse sie sich mithilfe des Atems ausdehnen, bis sie die letzte Zelle deines Körpers erreicht. Dann bitte deinen Körper, dein Unterbewusstsein und die Emotion, sie mögen dir mit inneren Bildern auf die Angst antworten. Beobachte, welches Bild sich dir zeigt.

 

Das kann ein Bild aus deiner Kindheit sein, aus der Zeit einer früheren Beziehung und aus jüngster Vergangenheit. Fühle in das Bild, dahingehend, was das Bild bzw. die Situation darin „braucht“.

 

Mit deinem Atmen „schenke“ dem Bild dann die Antwort. Zum Beispiel wenn das Bild das Gefühl vermittelt, es bräuchte „Sicherheit“, dann atme in das Bild die Sicherheit. Oder eben entsprechend andere Qualitäten.

 

Wenn das Bild vermittelt, es bräuchte eine bestimmte Handlung, dann erlaube dem Bild, dass es sich hin zu dieser Handlung verändert, so als würdest du das Drehbuch entsprechend ändern. Bitte Personen zum inneren Dialog hinzu, führe Gespräche, schenke Umarmungen

Angst vor Veränderung

 

Eine der häufigsten Ursachen der Angst ist jene vor Veränderung.

 

Veränderung bringt uns etwas Neues, Unbekanntes, Ungewisses. Die Situation zeigt sich dadurch als unsicher. Die allererste Veränderung, die wir als Menschen in unserem Leben erfahren haben, ist jene der Geburt. Sie ist das erste Ereignis der Veränderung, das wir in unserem Bewusstsein tragen. Viele haben die Geburt als Trauma erlebt, auch wenn die Geburt eine sanfte Erfahrung war. Dennoch fanden wir uns wieder in einer großen, zu hellen Umgebung mit viel zu vielen Reizen und Erlebnissen. Als Babys haben wir natürlich noch nicht die Fähigkeiten gehabt, diesen Schock zu verarbeiten. Doch aus der heutigen Wahrnehmung kannst du zumindest dieses Erlebnis heilen.

 

Schließe die Augen und visualisiere dich innerlich dazu als Baby. Spüre, wie dich das Leben, die große Mutter, sanft in ihren Armen wiegt. Entspanne dich ganz in dieses Wiegen und dann wähle folgende Worte als Affirmation: „Ich habe nur positive Erinnerungen an meine Geburt und lasse alle Turbulenzen los. Ich bin willkommen und erfahre die Welt als mein Zuhause. Ich fühle mich bei Veränderungen wohl, passe mich leicht an und lasse mich voll Vertrauen auf das ein, was kommt.“ Zeichne dann eine liegende Acht vor deinem Herzen und visualisiere ein positives Bild für dein Leben passend zu dir und dieser Situation.

 

Gebet in Situationen der Angst

 

Visualisiere ein Licht in deinem Herzen. Mit dem Atmen erlaube dem Licht zu wachsen, bis es dich ganz einhüllt. Während du atmest und das Licht größer wird, beginne mit dem Gebet:

 

Ich hülle mich in das göttliche Licht.

Das göttliche Licht festigt den Boden, auf dem ich stehe.

Das göttliche Licht nährt mich mit Vertrauen und Selbstbewusstsein.

Das göttliche Licht schenkt mir den Schutz, den ich meiner Situation brauche. Das göttliche Licht erinnert mich an die Liebe. Sie steht über allem.

Ich atme das göttliche Licht.

Das göttliche Licht erfüllt mich.

Das göttliche Licht schenkt mir Ruhe.

Das göttliche Licht schenkt mir Beistand.

Das göttliche Licht erinnert mich an die Liebe. Sie steht über allem.

Ich fühle, ICH BIN das göttliche Licht.

Ich bin begleitet, getragen, beschützt und behütet. So sei es. So will es sein.

Amen.

 

Akupressurpunkt gegen die Angst

Wenn wir negative Emotionen verdrängen, wirken sie unkontrolliert und destruktiv.

 

Sie wirken im Körper auch als Blockaden der Energie. In unseren Meridianen ist der Fluss nicht mehr frei. Die Auswirkung ist dann, dass uns weniger Energie für unser Leben und den Alltag zur Verfügung steht.

 

Die Angst korrespondiert mit dem Nierenmeridian. Die entsprechenden Punkte finden wir auf der Vorderseite des Körpers in den Grübchen unterhalb des Schlüsselbeines.

 

Mit Daumen und Zeigefinger deiner Hand drücke oder klopfe sanft diese Punkte. Visualisiere dabei die Situation, die du mit deiner Angst verbindest. Atme tief ein und formuliere in Gedanken, während du die Punkte weiter stimulierst: „Ich akzeptiere meine Angst.

 

Dann umarme mit deinem Atmen die Angst – öffne dich dem Gefühl, dass du deine Angst annimmst und mit deinem Herzen „umarmst“.

 

Dann nimm einen weiteren tiefen Atemzug, während du die Punkte weiter stimulierst und formuliere: „Ich lasse meine Angst los. Ich wandle sie in ........................... (z. B. Mut oder eine andere Qualität, die du für deine Situation brauchst).“

 

Dann nimm einen weiteren tiefen Atemzug und lasse diese neue Qualität tief in dich sinken. Halte die innere Verbindung so lange, bis du fühlst, dass die neue Energie sich in deinem ganzen Körper ausgebreitet hat.


Der Artikel erschien zunächst als Kolumne "die Brösel" im Engelmagazin.

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Fotocredit: Canva; Steffi Fischer Photografie


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Das Yang.Dilemma

Die Dynamik des Yang ist uns Frauen vertraut. Erziehung, Schule, Berufsausbildung und die gesellschaftlichen Dynamiken von schneller-weiter-höher haben es uns (an)gelehrt. Wettbewerb, Konkurrenz, Leistungsprinzip, Technik und Digitalisierung prägen nicht nur unseren Alltag sondern prägen (unbewusst) auch uns, unsere Verhaltensweisen und unsere Glaubensmuster.  

Für uns Frauen stellt das ein Yang-Dilemma dar. Denn in der Tat entsprechen diese Mechanismen nicht unserer Natur, nicht unserem Wesen als Frau. Es wäre das Yin, das unseren Weg prägen soll. Doch diese Weise ist uns oftmals nicht in seinem Umfang bekannt und auch nicht vertraut - schenkt scheinbar nicht so viel Sicherheit wie die Mechanismen des Yang.

 

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Daniela Hutter

schreibt, bloggt und hält Seminare zum Thema bewusste Lebensführung. Es ist ihre Passion, alte Tradition mit zeitgemässer Spiritualität zu verbinden. Mit Menschen zu sein bereitet ihr Freude und deshalb bietet sie auch persönliche Coachings an.

 

Als Autorin schreibt Daniela Hutter für verschiedene Zeitschriften. Aktuell arbeitet sie an ihrem nächsten Buch. Bereits erschienen sind die Bücher „Lass deine Träume wahr werden“ (2013) und „Den Tag mit Engeln beginnen“ (2008), „Mach dein Leben hell“ (2015), "Das Yin-Prinzip" (August 2016) sowie das Kartenset „Energien der neuen Zeit“ (2013) und "Karten der Weiblichkeit" (2017).

 

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Impulsgeberin für moderne Frauen

Daniela Hutter weiß was Frauen beschäftigt und kennt die zahlreichen Herausforderungen und Hürden, die das Leben lehrt und der Alltag bietet. Fernab von Dogmen und klassischem Feminismus ermutigt sie in ihrer Arbeit vor allem Frauen in Kontakt mit ihrem wahren FrauSein zu kommen und mutig den eigenen Weg zu gehen. Sie weist den Weg in das Innere und erinnert zugleich daran, mit beiden Beinen auf der Erde zu stehen.


Kennst du auch solche Situationen aus deinem (er)Leben?

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Kommentare: 2
  • #1

    Ulrike (Donnerstag, 07 Juni 2018 12:13)

    Liebe Daniela, was für ein schöner Beitrag zu diesem unschönen Thema. Angst ist ja auch immer etwas, was noch gar nicht passiert ist, etwas in der Zukunft, das wir visualisieren. Ein ganz wichtiges Thema und auch schwierig wie ich finde.
    Liebst,
    Ulrike

  • #2

    Annette (Dienstag, 12 Juni 2018 05:18)

    Danke �