Frauenfreundschaften können zu den intensivsten und bereicherndsten Beziehungen in unserem Leben gehören. Viele erleben Frauenfreundschaften als schwierig, anstrengend und kompliziert, manchmal sogar schmerzhaft. Warum Frauenfreundschaften schwierig sein können und welche Tiefen Muster dahinterstecken, erfährst du in diesem Text.
Die Qualität unserer Frauenfreundschaften beeinflusst maßgeblich unser Wohlbefinden, unsere Selbstwahrnehmung und unsere Verbindung zum Weiblichen. Wenn wir verstehen, was Frauenfreundschaften so herausfordernd macht, können wir heilsame Wege finden und tiefere, authentischere Verbindungen zu anderen Frauen aufbauen.
Was du in diesem Artikel erfährst: Du bekommst konkrete Einblicke in die Besonderheiten von Frauenfreundschaften, erfährst sieben wesentliche Gründe, warum diese Beziehungen oft anstrengend sind, und erhältst praktische Impulse, wie du schwierige Frauenfreundschaften heilen und stärken kannst.
Die besondere Natur von Frauenfreundschaften
Frauenfreundschaften unterscheiden sich grundlegend von Männerfreundschaften und auch von Freundschaften zwischen Männern und Frauen. Während Männerfreundschaften häufig über gemeinsame Aktivitäten und Interessen definiert werden, sollten Frauenfreundschaften von emotionaler Tiefe, Intimität und dem Austausch über innere Welten leben.
Frauen sollten miteinander nicht nur Erlebnisse, sondern vor allem Gefühle, Ängste, Träume und Verletzlichkeiten teilen. Diese emotionale Offenheit schafft einerseits eine besondere Nähe, birgt andererseits aber auch ein höheres Verletzungspotenzial. Wo Männer oft ein freundschaftliches „Nebeneinander" pflegen, sollten Frauen das intensive „Miteinander", was naturgemäß mehr Reibungsfläche bietet. Diese Weise für Freundschaft ist getragen von Yin-Bewusstsein. Genau das macht Frauenfreundschaften so schwierig.
Frauenfreundschaften bewegen sich in einem Raum, der von weiblicher Energie geprägt ist. Das kann unglaublich heilsam und nährend sein, gleichzeitig aber auch alle Themen aktivieren, die wir mit dem Weiblichen in uns selbst noch nicht geklärt haben. Genau deshalb sind sie oft ein Spiegel für unsere eigene Beziehung zum Weiblichen, zu unserer Mutter, zu unseren Schwestern, zu uns selbst als Frau.
Sieben Gründe, warum Frauenfreundschaften schwierig sind
1. Konkurrenz statt Solidarität
Obwohl wir uns nach Schwesternschaft sehnen, erleben viele Frauen ihre Freundschaften als unterschwelligen Wettbewerb.
- Wer ist erfolgreicher?
- Wer sieht jünger aus?
- Wer hat die harmonischere Beziehung?
Diese Vergleiche geschehen oft unbewusst und werden selten offen ausgesprochen und machen so Frauenfreundschaften schwierig. Die Wurzeln dieser Konkurrenz liegen tief in gesellschaftlichen Prägungen. Jahrhundertelang wurden Frauen darauf konditioniert, um die Gunst von Männern, um Status und um Ressourcen zu konkurrieren. Diese alten Muster wirken bis heute nach, selbst wenn wir rational wissen, dass genug für alle da ist.
2. Neid und Eifersucht
Frauenfreundschaften sind auch deshalb schwierig, da sie oft von Konkurrenz, Neid und Eifersucht geprägt sind. Wenn die Freundin beruflich durchstartet, während du selbst feststeckst, wenn sie schwanger wird und du schon lange vergeblich versuchst, wenn sie sich verliebt und plötzlich weniger Zeit hat, kann das Neid auslösen.
Das Heimtückische daran ist, dass wir uns für diese Gefühle oft schämen. Wir wollen doch gute Freundinnen sein, uns mitfreuen können. Doch der Neid ist da, frisst sich durch die Beziehung und wird zum Elefanten im Raum, über den niemand spricht.
3. Unausgesprochene Erwartungen
Frauenfreundschaften tragen oft eine immense Last an unausgesprochenen Erwartungen. Sie werden dadurch schwierig. Wir erwarten, dass unsere Freundin immer für uns da ist, dass sie uns versteht, ohne dass wir viel erklären müssen, dass sie sich genauso oft meldet wie wir, dass sie unsere Werte teilt und unsere Entscheidungen unterstützt.
Diese Erwartungen werden selten klar kommuniziert, sondern als selbstverständlich vorausgesetzt. Wenn die Freundin dann nicht so reagiert, wie wir es erhofft haben, fühlen wir uns enttäuscht, nicht gesehen oder sogar verraten. So entstehen Missverständnisse und Verletzungen, die Frauenfreundschaften anstrengend und kompliziert machen.
4. Projektionen alter Wunden
Frauenfreundschaften aktivieren oft alte Wunden aus unserer weiblichen Biografie. Die Freundin wird unbewusst zur Mutter, von der wir uns endlich gesehen fühlen wollen, zur Schwester, mit der wir noch eine Rechnung offen haben, oder zur Rivalin aus der Schulzeit, die damals beliebter war.
Diese Projektionen laufen meist völlig unbewusst ab. Wir reagieren in der Freundschaft auf etwas, das gar nicht mit der aktuellen Situation zu tun hat, sondern mit ungeheilten Themen aus unserer Vergangenheit. Die Freundin kann dann machen, was sie will, sie wird immer in die alte Rolle gedrängt.
5. Mangelnde Grenzen
In dem Wunsch nach Nähe und Verbindung verschwimmen in Frauenfreundschaften oft die Grenzen. Wir erwarten, dass die Freundin immer erreichbar ist, dass sie unsere Probleme zu ihren macht, dass sie uns rettet, wenn es uns schlecht geht. Oder wir lassen umgekehrt keine gesunde Distanz zu, drängen uns auf, wollen alles wissen und überall dabei sein.
Gesunde Grenzen bedeuten, dass jede Frau ihren eigenen Raum hat, ihre eigenen Bedürfnisse ernst nimmt und nicht ständig verfügbar sein muss. Wo diese fehlen, entsteht entweder eine symbiotische Verstrickung, die auf Dauer erdrückend wird, oder eine Distanz, die sich wie emotionale Kälte anfühlt.
6. Problematische Kommunikationsmuster
Viele Frauen haben nicht gelernt, ihre Bedürfnisse, Grenzen und Verletzungen klar und direkt auszusprechen. Stattdessen kommunizieren wir indirekt, erwarten, dass die andere „merkt", was los ist,
werden passiv-aggressiv oder ziehen uns schmollend zurück.
Statt zu sagen „Ich bin verletzt, weil du dich so lange nicht gemeldet hast", hören wir auf zu schreiben und warten ab. Statt zu sagen „Ich brauche gerade etwas Abstand", werden wir distanziert und kalt. Die andere Frau rätselt, was los ist, fühlt sich zurückgewiesen und reagiert ihrerseits mit Rückzug oder Vorwürfen. Frauenfreundschaften brauchen eine klare, direkte Kommunikation, um diese Missverständnisse zu vermeiden und authentische Verbindungen zu ermöglichen.
7. Gesellschaftliche Prägungen und das Erbe des Patriarchats
Die tiefste Wurzel für schwierige Frauenfreundschaften liegt in den jahrhundertealten patriarchalen Strukturen. Frauen wurden systematisch gegeneinander ausgespielt, als Konkurrentinnen um männliche Aufmerksamkeit positioniert und in ihrer weiblichen Kraft geschwächt.
Hexenverfolgungen, bei denen Frauen andere Frauen denunzierten, die Abwertung weiblicher Weisheit und Spiritualität, die Isolation von Frauen im häuslichen Bereich, all das hat tiefe Spuren in unserem kollektiven weiblichen Gedächtnis hinterlassen. Wir tragen ein tiefes Misstrauen gegenüber anderen Frauen in uns, eine Angst vor Verrat und eine Unsicherheit darüber, ob wir Schwesternschaft überhaupt leben können.
Was du tun kannst: Wege zur Heilung schwieriger Frauenfreundschaften
Bewusstwerdung als erster Schritt
Der wichtigste Schritt, um schwierige Frauenfreundschaften zu heilen, ist Bewusstwerdung.
Erkenne, welche der oben genannten Muster in deinen Freundschaften wirken. Wo fühlst du Konkurrenz? Wo Neid? Welche unausgesprochenen Erwartungen trägst du?
Diese Selbstreflexion erfordert Mut und Ehrlichkeit dir selbst gegenüber, nicht um dich zu verurteilen, sondern um die Mechanismen zu verstehen.
Offene und ehrliche Kommunikation
Übe dich darin, deine Bedürfnisse, Grenzen und Gefühle klar auszusprechen. Sag deiner Freundin, wenn du dich verletzt fühlst, statt dich zurückzuziehen. Sprich aus, was du dir von der Freundschaft wünschst, statt zu erwarten, dass sie es von selbst merkt. Diese Form der gewaltfreien Kommunikation ist der Schlüssel zu tieferen, authentischeren Verbindungen.
Eigene Themen nicht auf die Freundin projizieren
Wenn du merkst, dass du in einer Freundschaft stark emotional reagierst, frag dich: Geht es wirklich um diese Situation oder um etwas aus meiner Vergangenheit? Projiziere ich gerade meine Mutter, meine Schwester oder eine alte Wunde auf diese Frau? Diese Unterscheidung zu treffen, ist heilsam für beide Seiten.
Neid als Wegweiser nutzen
Statt Neid zu verdrängen oder dich dafür zu schämen, nutze ihn als Kompass. Worauf bist du neidisch? Was zeigt dir das über deine eigenen unerfüllten Wünsche? Neid ist oft ein Hinweis darauf, was du dir selbst nicht erlaubst oder wo du dich klein machst. Wenn du ihn als Wegweiser verstehst, verliert er seine zerstörerische Kraft.
Gesunde Grenzen setzen
Übe dich darin, Grenzen zu setzen, ohne Schuldgefühle zu haben. Du darfst nicht immer verfügbar sein, Nein sagen und eigene Bedürfnisse haben, auch wenn die Freundin gerade etwas anderes braucht. Gleichzeitig respektiere die Grenzen deiner Freundin. Wenn sie sich zurückzieht, interpretiere das nicht automatisch als Ablehnung.
Die weibliche Wunde kollektiv heilen
Verstehe, dass die Schwierigkeiten in deinen Frauenfreundschaften nicht nur deine persönlichen Themen sind, sondern Teil einer kollektiven weiblichen Wunde.
Indem du deine Frauenfreundschaften heilst, trägst du zur Heilung aller Frauen bei. Diese Perspektive kann helfen, mit mehr Mitgefühl und weniger Vorwürfen auf schwierige Situationen zu schauen
Vergebung und Neuanfang
Manchmal brauchen Frauenfreundschaften Vergebung, sowohl der anderen als auch dir selbst gegenüber. Vergebung bedeutet nicht, dass du alles gutheißt oder vergisst, sondern dass du bereit bist, die Last der Vergangenheit loszulassen.
Wenn beide Frauen bereit sind, können auch schwer beschädigte Freundschaften heilen und sogar tiefer werden als zuvor.
Fazit
Frauenfreundschaften sind ein Geschenk und gleichzeitig eine Herausforderung. Sie können schwierig und anstrengend sein, weil sie uns mit unseren tiefsten Wunden und ältesten Mustern konfrontieren. Doch genau darin liegt auch ihr Heilungspotenzial.
Wenn wir bereit sind, hinzuschauen, ehrlich zu kommunizieren und unsere eigenen Themen zu bearbeiten, können Frauenfreundschaften zu den nährendsten und transformierendsten Beziehungen in unserem Leben werden. Sie erinnern uns daran, dass Schwesternschaft möglich ist, dass Frauen einander unterstützen statt konkurrieren können, und dass das Weibliche in seiner verbundenen Kraft unendlich stark ist
Eine Podcastfolge zum Thema:
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Die Highlights in dieser Folge:
- Wie der Schmerz zerbrochener Freundschaften heilen kann
- Warum Frauenfreundschaften nicht für immer halten müssen
- Wie wir das Feld der Freundschaft neu gestalten können
- Warum sich gemeinsame Wege manchmal trennen müssen
(c) copyright, auch auszugsweise ausschließlich unter der vorgegebenen vollständigen Quellenangabe
Fotocredit: joerghaeken; canva
Daniela Hutter
schreibt, bloggt und hält Seminare zum Thema bewusste Lebensführung. Es ist ihre Passion, alte Tradition mit zeitgemässer Spiritualität zu verbinden. Mit Menschen zu sein bereitet ihr Freude und deshalb bietet sie auch persönliche Coachings an.
Als Autorin schreibt Daniela Hutter für verschiedene Zeitschriften. Aktuell arbeitet sie an ihrem nächsten Buch. Bereits erschienen sind die Bücher „Lass deine Träume wahr werden“ (2013) und „Den Tag mit Engeln beginnen“ (2008), „Mach dein Leben hell“ (2015), "Das Yin-Prinzip" (August 2016) sowie das Kartenset „Energien der neuen Zeit“ (2013) und "Karten der Weiblichkeit" (2017).
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Impulsgeberin für moderne Frauen
Daniela Hutter weiß was Frauen beschäftigt und kennt die zahlreichen Herausforderungen und Hürden, die das Leben lehrt und der Alltag bietet. Fernab von Dogmen und klassischem Feminismus ermutigt sie in ihrer Arbeit vor allem Frauen in Kontakt mit ihrem wahren FrauSein zu kommen und mutig den eigenen Weg zu gehen. Sie weist den Weg in das Innere und erinnert zugleich daran, mit beiden Beinen auf der Erde zu stehen.




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